Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.
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Leben und Wohnen

Wohn-Pflege-Gemeinschaften - Kosten und Finanzierung

Fragen zu den Kosten und der Finanzierung stellen sich zum einen im Hinblick auf den Bau oder Umbau der Immobilie. Neben dem Eigenkapital ist es für Bauherrinnen und Bauherren sowie Investoren möglich, auf Förderangebote der ISB und der KfW zurück zu greifen. Auch die Gründung einer Genossenschaft oder Stiftung ist eine Möglichkeit, auf Kapital zugreifen zu können neben dem üblichen Bankdarlehen. Auch die Pflegeversicherung gewährt Leistungen für bauliche Veränderungen, wenn es etwa darum geht, im Wohnraum Barrierefreiheit herzustellen.

Zum anderen entstehen Kosten für Miete, Lebenshaltung, die Betreuung rund um den Alltag und die Pflege. Diese werden teilweise aus den Leistungen der Pflegeversicherung finanziert sowie aus eigenen Mitteln oder gegebenenfalls durch Leistungen der Sozialhilfe.

Weiterführende Informationen

Um ihren Betreuungs- und Unterstützungsbedarf zu decken, nehmen die Bewohnerinnen und Bewohner in einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft Angebote verschiedener Dienstleister in Anspruch mit den entsprechenden Kosten. Neben der Miete entstehen – wie auch zu Hause – Kosten für die erforderliche Pflege, für die Betreuung (in der Regel) rund um die Uhr. Dazu gehören neben der Hilfe im Haushalt, die Wäscheversorgung und das Kochen eine individuelle pflegerische Versorgung wie Hilfe beim Anziehen, der Körperpflege oder bei der Fortbewegung. Zumeist ist auch eine häusliche Krankenpflege wie die Gabe von Medikamenten oder Injektionen erforderlich. Kosten entstehen daneben auch für die Lebenshaltung: für Lebensmittel, kleinere Rücklagen oder auch den gemeinsamen Konzertbesuch.
Im Unterschied zu einer stationären Einrichtung werden in einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft die Kosten nicht monatlich an eine Institution entrichtet, sondern jeweils gesondert an unterschiedliche Leistungserbringer gezahlt. Daher muss auch im Einzelfall geschaut werden, ob, von wem und in welcher Höhe die entstehenden Kosten finanziert werden.

Einen Überblick erhalten Sie hier: Informationen zu den Kosten und der Finanzierung

Um den gemeinsamen Alltag von mehreren Bewohnerinnen und Bewohnern als Gruppe in einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft zu gestalten sind zusätzliche organisatorische, betreuende und verwaltende Aufgaben notwendig. Hierfür kann eine zusätzliche Kraft von den Bewohnerinnen und Bewohnern beauftragt werden. Für deren Leistungen steht der sog. Wohngruppenzuschlag zur Verfügung.

Details hält die nachfolgende Information bereit: "Wohngruppenzuschlag" nach § 38 a SGB XI

 

 

Im Sinne der Pflegeversicherung werden Wohn-Pflege-Gemeinschaften wie Privathaushalte betrachtet und Leistungen der häuslichen Pflege gewährt. Die Bewohnerinnen und Bewohner können die Leistungen der häuslichen Pflege als Pflegesachleistung (§ 36 SGB XI), Pflegegeld (§ 37 SGB XI) oder Kombinationsleistung (§ 38 SGB XI) beziehen. Auch Anspruch auf Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI) besteht, sofern Angehörige in die Betreuung und Pflege in der Wohn-Pflege-Gemeinschaft einbezogen sind.

Die individuell erforderlichen Pflegehilfsmittel (§ 40 SGB XI) können im Unterschied zur vollstationären Pflege von der Pflegekasse übernommen werden. Sofern Bewohnerinnen und Bewohner von einer eingeschränkten Alltagkompetenz betroffen sind, stehen auch die Leistungen nach § 45b und § 123 SGB XI für Betreuungsmaßnahmen zur Verfügung.

Sicherzustellen ist die Wahlfreiheit des einzelnen Pflegebedürftigen. Eine kollektive Verpflichtung, nur Leistungen eines bestimmten ambulanten Pflegedienstes in Anspruch zu nehmen, ist nicht möglich.

Im Prinzip ist die Pflege so individuell wie in Privathaushalten zu organisieren.

Sozialrechtliche Regelungen – Sozialhilfe nach dem SGB XII

Für die Sozialhilfe sind in Rheinland-Pfalz die kreisfreien Städte und Landkreise als örtliche Träger der Sozialhilfe zuständig. Bei der Planung einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft ist es sinnvoll, frühzeitig mit den entsprechenden Verwaltungen Kontakt aufzunehmen. Das gilt, wenn ein Angehöriger in eine Wohn-Pflege-Gemeinschaft ziehen möchte und bereits Sozialhilfeleistungen bezieht oder abzusehen ist, dass diese in absehbarer Zeit erforderlich werden. Es gilt aber auch, wenn ein Pflegedienstanbieter plant, seine Leistungen in einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft anzubieten und auch für Bauherrinnen sowie Bauherren.


Bei den Kosten und der Finanzierung sind die Voraussetzungen der Sozialhilfe zu berücksichtigen, damit auch Personen mit Sozialhilfeberechtigung das Angebot wahrnehmen können. Diese gelten im Besonderen für die Höhe der Miete und die monatlichen Gesamtkosten der Betreuung.
Um eine langfristige Nutzung durch die Bewohnerinnen und Bewohner sicherzustellen, sollte die Miete dem ortsüblichen Niveau entsprechen. Insbesondere ist darauf zu achten, dass die Wohnungsgröße und der Mietpreis mit den Wohngeld- und Sozialhilferichtlinien zu vereinbaren sind. Andernfalls ist die Nutzung für Menschen mit geringem Einkommen deutlich erschwert und dadurch die Auslastung der Wohn-Pflege-Gemeinschaft sogar gefährdet.


Für die Kommunen stellen Wohn-Pflege-Gemeinschaften ein Unterstützungsangebot dar, das die Angebotsvielfalt vor Ort für die Bürgerinnen und Bürger bereichert. Erfahrungen zeigen, dass durch kreative Lösungen die Möglichkeit besteht, diese Angebote auch finanziell für die Kommunen als Kostenträger interessant zu machen.