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Bewegung und Ernährung

Bewegung ist manchmal die beste Medizin

Hatten Sie auch schon mal „Rücken“? Dann gehören Sie zu den achtzig Prozent der Deutschen, die schon mindestens einmal im Leben unter Kreuzschmerzen litten. Zwanzig Millionen Bundesbürger haben sogar regelmäßig Beschwerden an der Wirbelsäule. Diese äußern sich unterschiedlich. Die Palette reicht von Muskelverspannungen über Ischiasprobleme bis hin zu Bandscheibenvorfällen.

Regelmäßige Bewegung hilft auch, um den so genannten Zivilisationskrankheiten vorzubeugen, die sehr häufig mit unserem modernen Lebensstil in Zusammenhang gebracht werden: Übergewicht, Fettstoffwechselstörung, Diabetes und Bluthochdruck. 

Bewegung im richtigen Maß tut immer gut – und in vielen Fällen kann man tatsächlich eine Verbesserung des Gesundheitszustandes erzielen.

Bewegung und Diabetes

Der Körper ist auf Bewegung angelegt. Fehlt diese, so reduziert sich auch seine Funktion und Krankheiten wie Diabetes können entstehen. Etwa acht Millionen Deutsche leiden bereits unter der Stoffwechselstörung, die auch längerfristige Schädigungen von Blutgefäßen und Organen wie Herz oder Augen nach sich zieht. Bewegung fördert die Zuckerverwertung, und es entstehen neue Blutgefäße, welche die Organe schützen. Sport wirkt aber vor allem präventiv und verhindert, dass Erkrankungen wie Diabetes oder der Herzinfarkt überhaupt erst entstehen. Sollten diese jedoch bereits vorliegen, muss das Training zielgerichtet, geplant und regelmäßig sein. Also nicht einfach loslaufen.

Als erstes zum Arzt

Je früher die Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird, desto geringer sind die Folgeschäden. Daher sollte man mit dem Arztbesuch nicht lange warten, wenn man meint, Anzeichen für einen Diabetes entdeckt zu haben. Der behandelnde Arzt wird entscheiden, ob und wenn ja welche medikamentösen Behandlungen notwendig sind und welche weiteren Maßnahmen zur Behandlung angezeigt sind. Oft reicht es schon aus, auf eine gesunde, vollwertige Ernährung zu achten und sich sportlich zu betätigen, um den Blutzuckerspiegel wieder in den Normbereich zu senken.

Bei fast allen Betroffenen ist der Faktor Übergewicht entscheidend für die Entstehung der Krankheit. Denn der Körper wird durch zunehmendes Übergewicht gegen das körpereigene Hormon Insulin resistent. Durch frühzeitiges Abnehmen verbessert sich der Stoffwechsel, und der Diabetes kann eventuell wieder verschwinden.

Bewegung als Prävention

Bei Typ 2-Diabetes kann es aber durch Prävention gelingen, das Auftreten der Krankheit zu verzögern oder zu vermeiden. Wie Kardiologe Dr. Felix Post von der Universitätsmedizin Mainz deutlich machte, geht dies am besten durch regelmäßige körperliche Bewegung: „Es gibt kein Medikament, das bei so vielen Krankheiten so viele Veränderungen bewirkt wie der Laufsport - und noch dazu gar nichts kostet.“

Damit der erste Schritt leichter fällt, kann man sich einer Diabetessport-Gruppe anschließen, in denen unter Anleitung von Trainern aus dem Bereich Rehabilitationssport mehr für die eigene Fitness getan werden kann.

Weitere Informationen zum Rehasport gibt es beim Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz e.V.

Fachverband für Rehabilitations-, Präventions- und Gesundheitssport
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Mut zur Belastung durch Bewegung

Sport ist Mord lautet die Devise bei vielen Menschen. Lange Arbeitstage, Kälte, Schnee und Regen - wer soll sich da noch zur Bewegung animieren. Wenn dann auch noch Beschwerden wie Gelenkschmerzen oder schwerwiegende Erkrankungen wie ein Herzinfarkt vorliegen, wird erst recht der Schongang eingelegt. Doch gerade in solchen Fällen ist die sportliche Betätigung wichtig für die Gesundheit.

Die richtige Belastung zählt

Sport ist aber nicht gleich Sport. Jede Krankheit erfordert eine angemessene Bewegungsart. Es ist ein Trugschluss, sich nach einem Herzinfarkt in extremer Form zu schonen und jede Anstrengung zu meiden. Das Herz ist ein Muskel, der trainiert werden muss. Wichtig ist dabei zu wissen, welche Anstrengungen die richtigen sind, um die Gefahr eines erneuten Infarkts zu mindern. In einer speziellen Herzsportgruppe sollte das Training systematisch, kontrolliert und strukturiert sein. Aber auch die Aktivität im Alltag muss zunehmen - Treppen statt Aufzug, Fahrrad statt Auto oder ein schneller Gang können bereits helfen, die Ausdauer zu steigern.

Training fördert die Rehabilitation

Wissenschaftler bestätigen, was eigentlich alle wissen: Sport erhält die Gesundheit. Stammzellenforscher haben herausgefunden, dass regelmäßige sportliche Betätigung die Produktion von Stammzellen erhöht, die wiederum für den Erhalt und die Neubildung erkrankter Gefäße zuständig sind. Das Training fördert die Rehabilitation. Bis zu 10.000 Schritte täglich sind für einen aktiven Alltag das Minimum - der durchschnittliche Büroangestellte macht aber gerade 400 bis 700 Schritte. Dabei werden bei einem zehnminütigen Spaziergang bereits 1.000 Schritte unternommen. Der Körper ist auf Bewegung angelegt.

Die Angst überwinden

Der Mut zur Belastung durch Bewegung ist sehr wichtig. Auch dann, wenn wie bei einer Lungenerkrankung Atemnot und Ängste zunächst hinderlich sind. Bei der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (COPD), die beispielsweise bei Rauchern vorkommt, sind auch andere Organe wie Herz, Gefäße, Knochen und Muskeln betroffen. Der Teufelskreis von Angst vor Atemnot, Bewegungsmangel und Deaktivierung der Muskeln führt zu weiteren Krankheiten und muss durchbrochen werden. Genauso wie Medikamente sollte Sport zur Therapie dauerhaft dazugehören.

Bewegung statt Schonung

Laut den Erhebungen des Statistischen Bundesamts sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit deutschlandweit jährlich rund 700.000 Neufällen Volkskrankheit und Todesursache Nummer eins. Gemäß der Maxime „Bewegung statt Schonung“ ist medizinisch überwachter regelmäßiger Sport seit mehreren Jahrzehnten wesentlicher Teil der Therapieempfehlungen.

Denn: Nach einem Herzinfarkt oder anderen chronischen Herzerkrankungen kann regelmäßige körperliche Bewegung den Gesundheitszustand und die Lebensqualität der Betroffenen maßgeblich steigern. 1979 wurden in Rheinland-Pfalz die ersten Herzsportgruppen gegründet. Heute gibt es rund 350 solcher ärztlich kontrollierten Angebote von Vereinen, Volkshochschulen und Rehakliniken mit etwa 7000 Teilnehmern.

Bei solchen Gruppen kann jeder mitmachen, der eine entsprechende medizinische Verordnung vorweisen kann. In dieser muss der Arzt auch die Belastbarkeit des Patienten beurteilen.

Eine Liste der Herzsportgruppen in Rheinland-Pfalz ist auf der Internetseite des Landesverbands für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Koblenz zu finden. Zur Website

Bewegung schützt vor Osteoporose

Bei manchen älteren Menschen krümmt sich der Rücken, andere brechen sich einfach so eine Rippe – beides kann auf eine Osteoporose hinweisen. Bei dieser Krankheit werden die Knochen instabiler und brechen leichter. Vor allem ältere Frauen sind betroffen vom Leiden, das auch Knochenschwund genannt wird. Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät, etwas dagegen zu tun. Bei Osteoporose wird die äußere Knochenschicht oft dünner als bei gesunden Knochen. Auch verringert sich die Anzahl der Knochenbälkchen im Inneren und deren Verknüpfung zueinander, erklärt der Dachverband Osteologie (DVO) in Bad Kreuznach.

Eine Knochendichtemessung erfasst die Knochenbrüchigkeit also nur teilweise. Eine 20-Jährige Leistungssportlerin kann die gleiche Knochendichte haben wie eine 70-jährige Frau. Die Mikroarchitektur der Knochen ist aber bei beiden Frauen völlig anders. Mit der Folge, dass sich die Jüngere bei einem leichten Sturz wahrscheinlich keinen Knochen bricht, die Ältere schon. Frauen leiden häufiger an Osteoporose als Männer. In der Menopause kann es zu einem verstärkten Knochenabbau kommen. Verantwortlich ist der schubartige Rückgang der Östrogene. Und mit dem Alter steigt das Risiko, sich die Knochen zu brechen. Frauen ab 70 und Männern ab 80 wird daher geraten, ihr Osteoporose-Risiko vom Arzt klären zu lassen. Gleiches gilt für Personen, die sich in einer Alltagssituation einen Wirbel gebrochen haben, einen Bruch von Arm, Fuß, Rippen oder Becken erlitten oder ohne äußeren Anlass mehr als zweimal im vergangenen Jahr stürzten.

Vorbeugung durch Bewegung und Ernährung

Doch Osteoporose ist kein Schicksal. Sie können ihr Bruchrisiko verringern. Das Zauberwort heißt Bewegung. Besonders sinnvoll seien Sportarten, bei denen der Körper das eigene Gewicht oder mehr trägt. Es bietet sich dazu sanftes Krafttraining unter Anleitung oder Bewegungen an, bei denen der Körper leichten Stößen ausgesetzt ist – etwa Joggen. Sportarten mit verschiedenen Bewegungsrichtungen wie Tanzen und Aerobic trainieren Muskeln und Knochen besonders vielseitig. Wer seine Knochen stärken will, sollte zwei bis drei Übungseinheiten pro Woche einplanen. Auch die Ernährung hat Einfluss auf die Knochenstärke. Die empfohlene Kalziummenge liegt laut dem Dachverband Osteologie (DVO) bei 1000 Milligramm (mg) pro Tag. Das entspricht rund einem Glas Milch, zwei Scheiben Käse und einem Joghurt. Daneben ist vor allem Vitamin D wichtig. Es fördert zum einen die Muskelkraft, außerdem braucht der Körper Vitamin D, um Kalzium aufnehmen zu können.

In LZG-Shop finden Sie die Broschüre „Sturzprophylaxe durch Bewegung“ zum Download und zum Bestellen.

So bleibt der Rücken gesund

Belastbar, beweglich und schmerzfrei: So kennen immer weniger Menschen ihr Kreuz. Zwei Drittel der Deutschen leiden gelegentlich unter Rückenproblemen. Und rund ein Drittel hat sogar dauerhaft Beschwerden, ergab eine Umfrage von TNS Healthcare. Dabei lässt sich den Beschwerden denkbar leicht vorbeugen: „Jede Bewegung ist wichtig und richtig“, sagt Nils Graf Stenbock-Fermor vom Deutschen Orthopäden Verband (DOV) in Köln. „Die meisten tendieren aber zum Couch-Potato-Dasein.“

Für den Start: Am besten mit Anleitung

Wer viel sitzt, muss sich daher nicht wundern, wenn es rund um die Wirbelsäule zwickt und zieht. „Die Wirbelsäule ist ein Bewegungsorgan mit sehr komplexen Gelenkstrukturen, die auch bewegt werden müssen“, sagt Dieter Breithecker von der Bundesarbeitsgemeinschaft Haltungs- und Bewegungsförderung in Wiesbaden. Besonders wichtig sei es, die Rumpfmuskulatur zu stärken. „Wenn die stabil ist, dann ist auch der Rücken stabil“, ergänzt Orthopäde Stenbock-Fermor. Das lässt sich nicht nur über die klassische Wirbelsäulengymnastik erreichen. „Die ist so ein bisschen in Verruf geraten“, sagt Thomas Niewöhner vom Deutschen Sportlehrer-Verband (DSLV) in Landau. Heute sei eher Gymnastik in Verbindung mit Krafttraining gefragt. Der Fokus sollte auf gezieltem Bauch- und Rückenmuskeltraining liegen. Trainiert werden könne im Fitnessstudio, über die Volkshochschule, im Sportverein oder bei einem sonstigen qualifizierten Kursanbieter. „Dort üben die Teilnehmer mit dem Theraband, auf der Matte, mit Sandsäckchen oder dem Therapiekreisel – kurz: mit allem, was in der Halle zur Verfügung steht“, erläutert Niewöhner. Auch Orthopäde Stenbock-Fermor rät generell dazu, spezielle Übungen zunächst unter Anleitung zu lernen – das hilft, gesundheitsschädliche Fehler zu vermeiden.

Für Fortgeschrittene: Einfach zwischendurch üben

Wer schon etwas Erfahrung hat, kann aber durchaus auch zu Hause trainieren. Die Aktion Gesunder Rücken (AGR) in Selsingen (Niedersachsen) empfiehlt, einen Mix aus einfachen Dehn-, Koordinations- und Kräftigungsübungen in den Alltag zu integrieren. Zum Dehnen der Schultern zum Beispiel umfasst der Büro- oder Heimsportler mit der einen Hand das Handgelenk der anderen Hand und zieht den Arm über den Kopf zur Gegenseite. Die Spannung sollte etwa zehn Sekunden gehalten werden, dann ist der andere Arm an der Reihe. Koordination ist vor allem im Vierfüßlerstand gefordert: Hierzu kniet sich der Sportler hin und setzt die Hände schulterbreit auf den Boden. Der rechte Arm und das linke Bein werden diagonal ausgestreckt, der Blick ist auf den Boden gerichtet. Nach zehn Wiederholungen werden Arm und Bein gewechselt. Die Schulter- und Rückenmuskeln lassen sich mit Hilfe eines Turnstabs – notfalls auch eines Besenstils – mit dieser Übung der AGR kräftigen: Dazu setzt sich der Sportler aufrecht auf einen Stuhl, kippt das Becken leicht nach vorn und hebt das Brustbein an. Den Stab fasst er mit beiden Händen und streckt die Arme senkrecht über den Kopf. Dann wird der Oberkörper nach vorn geneigt und abwechselnd mit kleinen, relativ schnellen Bewegungen von rechts nach links gedreht.

Die Mischung machts

Aber Kräftigung allein ist nicht alles. Stenbock-Fermor hält eine Kombination aus Kraftsport, Ausdauertraining und Spaßsport für ideal. Diese könne zum Beispiel der regelmäßige Besuch eines Fitnessstudios, ergänzt durch Joggen und Badminton-Spielen, bieten. Allerdings: Je älter ein Mensch ist, desto schwerer falle es ihm, sein Kreuz belastbar und beweglich zu erhalten: „Pro Jahrzehnt, das man älter wird, muss man doppelt so lange trainieren wie vorher.“ Das heißt zum Beispiel, wer als 20-Jähriger eine Stunde Sport pro Woche gemacht hat, muss als 30-Jähriger schon zwei Stunden einplanen.

Bewegung von klein auf

Deshalb sollte der gesunde Rücken schon von klein auf gefördert werden. „Wenn ein Kind die Chance hat, sich viel zu bewegen, ist eine gute Entwicklung der Wirbelsäule gewährleistet“, sagt Bewegungsexperte Breithecker. Das beste Vorbild für den Nachwuchs seien Eltern, die sich selbst viel bewegen. Kinder müssten rennen, in Pfützen springen und auf Baumstämmen balancieren dürfen. „Sie wollen Grenzen erfahren und dort laufen, wo es schmal und wackelig ist.“ Nützlich für den Rücken ist laut Breithecker schließlich auch das Barfußlaufen, denn vom Fuß her baut sich die gesamte Haltung auf. Ob auf Sand, Rasen oder Teppich: Das Gehen auf der nackten Sohle aktiviere Muskelketten bis in die Wirbelsäule hinauf.

Wandern macht glücklich

Wollen Sie nicht auch glücklich sein? Dann können Sie den bekanntesten Arzt Deutschlands, Dr. Eckhard von Hirschhausen fragen, der einige Rezepte zum Glück parat hat – oder Sie gehen einfach wandern.

Laut der aktuellen wissenschaftlichen Studie des Deutschen Wanderverbandes fühlen sich 83 Prozent der Wanderer nach einer Wanderung glücklich und zufrieden. Und Wanderer machen auch andere glücklich, sind sie doch ein Wirtschaftsfaktor und sorgen für sichere Arbeitsplätze. Wanderer geben in Deutschland jährlich 7,5 Milliarden Euro für ihre liebste Freizeitaktivität aus, 144.000 Arbeitsplätze hängen direkt vom Wandertourismus ab.

Wandern geht fast überall

Wer sich fit halten will, muss auch nicht bis zum nächsten Urlaub in den Alpen warten. Schon eine halbe Stunde zügiges Gehen pro Tag fördere die Gesundheit, sagte Prof. Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln. Und ein flotter Spaziergang in der Stadt habe ähnliche Vorteile für die Gesundheit wie eine Wanderung. Wichtig sei die Bewegung als solche: Männer sollten in 30 Minuten drei Kilometer zurücklegen, Frauen die gleiche Strecke in 35 Minuten. Stadtluft, die möglicherweise mit Abgasen belastet ist, ist dem Wissenschaftler zufolge dabei relativ unbedenklich. Einerseits sei die Lunge ein guter Filter. Andererseits seien die Nachteile einer Bewegungsfaulheit gegenüber dem zügigen und regelmäßigen Gang „um den Block“ deutlich größer.

An arbeitsfreien Tagen sei es sinnvoll, noch längere Distanzen zu gehen. „Beim Wandern ist die Belastungssituation deutlich anders als im Alltag“, betonte Froböse. Es stärke das Herz-Kreislauf-System, weil die Durchblutung angeregt wird. Das Atemvolumen nehme zu, und so gelange mehr Sauerstoff in den Körper. Auch der Knorpel werde gekräftigt und bekomme dadurch eine festere Struktur. Wandern ist darüber hinaus gut für die Figur, weil sich bei längeren Strecken der Stoffwechsel verändert. Nicht zu unterschätzen ist laut Froböse schließlich auch die „emotionale Komponente“: Die monotone Bewegung habe etwas Meditatives.

Einige Ergebnisse der Studie des Deutschen Wanderverbands

  • 39,8 Millionen Deutsche wandern, das ist mindestens jeder zweite Deutsche über 16 Jahren.
  • Deutsche Wanderer legen pro Jahr ca. 3,6 Milliarden Kilometer im In- und Ausland zurück.
  • Gewandert wird unabhängig von Geschlecht und Alter. Allerdings sind die Älteren regelmäßiger unterwegs: jüngere Wanderer eher ein- bis zweimal jährlich, Wanderer ab 60 mehrmals im Monat.
  • Die Unterschiede zwischen Spazierengehen und Wandern sind geringer als gedacht: Wer spazieren geht, ist durchschnittlich 1 Stunde und 22 Minuten unterwegs, wer sagt, dass er wandert, 2 Stunden und 39 min.
  • Wanderer fühlen sich nach einer Wanderung zu 90 % „insgesamt besser“, zu 82,7 % „glücklich und zufrieden“, zu 73,8 % „seelisch ausgeglichener“.
  • Insgesamt werden im Jahr 370 Millionen Tagesausflüge unternommen, bei denen gewandert wird.
  • Weiterhin werden 8,7 Millionen Urlauber gezählt, die mindestens eine Wanderung im Urlaub machen.
  • 30,3 Millionen Übernachtungen pro Jahr in Deutschland können dem Bereich Wandern zugeordnet werden.
  • 46 % der Wanderer laufen ohne Orientierungshilfe wie Karte, Kompass oder GPS und verlassen sich nur auf die Markierung der Wanderwege.

Also, machen Sie sich auf den Weg. Deutschland liegt Ihnen zu Füßen.

Aus der Depression rennen

Die positive Wirkung von körperlicher Aktivität auf psychische Krankheiten ist mittlerweile weithin anerkannt. In den meisten Therapien ist Sport heute integriert, manche glauben gar, dass er Psychopharmaka ersetzen kann. So weit würde Prof. Gerhard Huber nicht gehen. Der Sportwissenschaftler von der Universität Heidelberg hat sich mit zahlreichen Studien zur psychotherapeutischen Wirkung von Sport beschäftigt. Darunter eine vielzitierte US-Studie, die zu dem Ergebnis kam, dass Sport genauso gut gegen Depressionen wirke wie Medikamente – und eine geringere Rückfallquote habe. Doch den kompletten Verzicht auf Antidepressiva will Huber nicht propagieren: „Bei einer klinisch-manifesten Depression wäre es grob fahrlässig zu sagen: Beweg dich einfach und lass die Pillen weg.“

Zumindest aber kann mit Hilfe von Sport die Dosis verringert werden. Denn die körperliche Betätigung verbessere auch die Pharmakodynamik, erklärt Huber. Das Hirn wird besser durchblutet, die Wirkstoffe kommen schneller im Hirn an. Und manchmal lassen sich die oft umstrittenen Medikamente sogar früher absetzen. Denn Sport wirkt selbst wie eine Droge, der Körper schüttet mehr Opiate und Kortisol aus. Zusätzlich verbessert er die Übertragung von Neurotransmittern, die bei Depressiven lahmt. Das vermute die Wissenschaft zumindest derzeit, sagt Huber. Beweise dafür stünden allerdings noch aus. Aber vielleicht sind sie auch gar nicht so wichtig. Denn letztlich seien die beschriebenen neurophysiologischen Prozesse nur der Katalysator, erläutert Huber. Entscheidend seien die positiven Erlebnisse beim Sport.

Die eigene Leistung schafft Selbstvertrauen

Das sieht Marieta Erkelens genauso. Die Psychotherapeutin läuft mit ihren Patienten seit vielen Jahren durch den Grunewald in Berlin, in kleinen Gruppen, zu zehnt, zu zwölft. Das ermöglicht Gespräche und all die kleinen Körperwahrnehmungsübungen, die Erkelens in das Laufen einflechtet. Viele hätten seit ihrer Kindheit keinen Sport mehr gemacht, ihnen müsse erst das Laufen wieder beigebracht werden. So hart der Beginn für manche ist, schon nach kurzer Zeit kommen in der Regel die ersten Erfolgserlebnisse: Die Patienten spüren, dass sie länger laufen können, dass sie belastbarer und fitter werden. Das sei das Wichtigste, sagt Erkelens: „Zu erleben, ich schaffe etwas, daran glauben viele ja gar nicht mehr.“ Hierin liege ein großer Vorteil: Die Patienten nehmen körperliche Fortschritte und die Aufhellung ihrer Stimmung als Ergebnis eigener Leistung wahr. Mit den Erfolgserlebnissen wächst das Selbstvertrauen, die allgemeine Ängstlichkeit lässt nach. Die Behandlung mit Medikamenten halte die Patienten dagegen in Abhängigkeit und Passivität, sagt Erkelens.

Sport als Bestandteil der Therapie

Allein könnten depressive Menschen den Umschwung hin zu einem aktiven Leben aber kaum schaffen. Die Gruppe sei entscheidend für Motivation und Kontrolle, sagt Erkelens: „Wenn man in so einem Loch hängt, ist es sehr schwierig, sich aufzuraffen.“ Ein guter Rat von Freunden oder Eltern hilft laut Huber meist nichts: „Reiß dich zusammen – das hören Depressive ja ständig.“ Erfolgversprechend sei nur ein Sportprogramm unter therapeutischer Anleitung. Schon in einem Vorgespräch müsse den Patienten klargemacht werden, dass der Sport keine Spielerei ist, sondern eine wichtige Säule der Therapie.

Die passende Sportart ist entscheidend

Die Art des Sports will gut überlegt sein. Huber hat in der Therapiepraxis beobachtet, dass Ballspiele die meisten Patienten eher frustrieren. Optimal seien zyklische Sportarten, die schnelle Erfolge bringen und bei denen nicht über die nächste Bewegung nachgedacht werden muss – zum Beispiel Walking oder Schwimmen. Oder Joggen, das für Prof. Ulrich Bartmann von der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt der Königsweg aus der Depression ist: „Die Anforderungen sind dabei so vorsichtig dosiert, dass Erfolgserlebnisse programmiert sind.“ Wem es einmal gelungen ist, sich aus seiner Depression zu laufen oder zu schwimmen, hat die Krankheit allerdings nicht für immer besiegt. Er muss den neuen, aktiven Lebensstil beibehalten. Sonst gingen die positiven Effekte innerhalb von einem dreiviertel Jahr wieder verloren, warnt Bartmann. Marieta Erkelens vergleicht die Wirkung des Sports mit der einer Schmerztablette. Er wirke in diesem Moment, aber seine Wirkung lasse mit der Zeit nach. Anne weiß das nur allzu gut. Sie sagt, sie könne sich ein Leben ohne Sport nicht mehr vorstellen: „Aufzuhören wäre katastrophal.“

Übrigens: Die Initiative „Bündnisse gegen Depression in Rheinland-Pfalz“ einen Lauf gegen Depression. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Wassertreten nach Pfarrer Kneipp

Allein in Rheinland-Pfalz gibt es 28 Kneipp-Anlagen, 17 Kneipp-Armbecken und neun Barfußreflexzonenwege. Wohnen Sie in der Nähe einer solchen Anlage? Dann nutzen sie diese doch als Anlaufstelle für den nächsten Familienausflug. Die Becken zum Wassertreten sind oft in der Nähe von Parks und Spazierwegen gelegen und laden zum gemeinsamen Wassertreten ein. Das ist gesund und macht Erwachsenen wie Kindern großen Spaß.

Die fünf Säulen der Kneipp-Therapie

Kneipp-Anwendungen vermitteln Temperaturreize über die Haut, die im Körper gesundheitsfördernde Reaktionen auslösen und das Immunsystem stimulieren. Das wusste bereits der naturheilkundige Pfarrer Sebastian Kneipp (1821–1897), der sein Wissen über die heilende Wirkung von Wasser und Heilpflanzen im Lauf seines Lebens systematisch zu einer Lehre ausgebaut hat. Sein Denken gilt noch heute als wegweisend für eine zeitgemäße Krankheitsvorbeugung und einen ganzheitlichen Lebensstil. Kneipp stellte dabei die Elemente Wasser, Pflanzen, Bewegung, Ernährung und Balance in eine enge Beziehung zueinander. Er sagte:

  • Wasser: „Für den gesunden Menschen ein vorzügliches Mittel, seine Gesundheit und Kraft zu erhalten, so ist es auch in der Krankheit das erste Heilmittel; es ist das natürlichste, einfachste und – wenn recht angewendet - das sicherste Mittel. Das Wasser ist mein bester Freund und wird es bleiben, bis ich sterbe.“
  • Pflanzen: „Mit jedem Schritt und Tritt, welchen wir in der herrlichen Gottesnatur machen, begegnen wir immer wieder neuen Pflanzen, die für uns höchst nützlich und heilbringend sind.“
  • Bewegung: „Die Bewegung erhöht die Lebenslust und hilft dem Menschen durch die Stärkung seines Körpers.“
  • Ernährung: „So lange keine durchgreifende Änderung in unserem Ernährungssystem eintritt, können die argen Schäden, an denen die Menschheit krankt, nicht behoben werden, es wird im Gegenteil noch schlechter werden.“
  • Balance: „Kaum ein Umstand kann schädlicher auf die Gesundheit wirken als die Lebensweise unserer Tage. Es muss ein Ausgleich gefunden werden, um die überanstrengten Nerven zu stärken; ihre Kraft zu erhalten; es muss ein Gleichgewicht hergestellt werden.“

Weitere Infos sowie eine Auswahl der Kneipp-Vereine in Rheinland-Pfalz erhalten Sie beim Kneipp-Bund Rheinland-Pfalz:
Zur Website
Liste der Ortsvereine

Im Schongang durch die Erkältungszeit

Wenn die Nase läuft und der Hals schmerzt – sind Bewegung und Sport dann das Richtige für unseren Körper?

Ein ganz klares „Nein“, wenn die Beschwerden über eine leichte Erkältung hinaus gehen und zum Beispiel mit Fieber, Gliederschmerzen und geschwollenen Lymphknoten verbunden sind. Dann sollten Sie das Bewegungsprogramm aussetzen. Bettruhe ist jetzt angesagt!

Achtung bei starken Erkältungen und Fieber

Hier ein paar Tipps, die Ihnen helfen, Ihre Erkrankung zu bekämpfen:

  • Grundsätzlich gilt: Halten Sie Ihren Körper warm, aber vermeiden Sie Schwitzen.
  • Ausnahme: Ein Erkältungsanflug lässt sich manchmal durch eine Schwitzkur mit heißem Bad und heißem Tee (z.B. Lindenblütentee) abwenden. Voraussetzung für eine Schwitzkur ist ein stabiler Kreislauf. Anschließend sind mehrere Stunden Bettruhe angesagt.
  • Wadenwickel (lauwarm) mit feuchten Tüchern sind wirkungsvolle Fiebersenker. Durch die Verdunstung des Wassers entziehen sie dem Körper Wärme. Achten Sei darauf, dass Sie sich ansonsten warm halten und (bis auf die Waden) gut zudecken.
  • Genug trinken ist wichtig, damit sich zäher Schleim in den Atemwegen besser löst und der Flüssigkeitsverlust bei Fieber ausgeglichen wird.
  • Auch Dampfbäder oder Inhalationen mit Kamille oder ätherischen Ölen sind geeignet, um die Atemwege zu befeuchten und erkältungsbedingte Entzündungsvorgänge zu hemmen.
  • Gegen Husten helfen schleimlösende Präparate, bei Schnupfen kann man gefäßverengendes Nasenspray einsetzen. Bei Halsschmerzen helfen Lutschpastillen. Sie wirken desinfizierend und schmerzlindernd. Auch gegen Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen gibt es zahlreiche Medikamente, die Erleichterung verschaffen, z.B. Präparate mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol. Häufig werden auch homöopathische Mittel angewandt, um Erkältungen zu behandeln. Bevor Sie Medikamente einnehmen, sollten Sie sich jedoch unbedingt von Ihrem Arzt beraten lassen.
  • Wenn Sie Medikamente einnehmen, ist Vorsicht geboten. Schnell ist man (scheinbar) wieder fit, denn Schmerz- und Fiebermittel unterdrücken die Symptome. Die Erkältung ist aber nach wie vor akut und das Immunsystem geschwächt.
  • Wenn Sie Antibiotika einnehmen, ist es anzuraten, auf Sport zu verzichten. Nach dem Absetzen der Medikamente sollte der Arzt entscheiden, wann Sie wieder Sport treiben dürfen.
  • Bei leichten Infekten gehen Sie am besten gut eingepackt an die frische Luft.
  • Fühlen Sie sich durch Ihre Erkältung nicht allzu stark in Ihrem Befinden beeinträchtigt, ist gegen Bewegung in Maßen nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Ein Spaziergang an der frischen Luft tut gut bei leichtem Husten und Schnupfen, mobilisiert die Selbstheilungskräfte und stärkt das Immunsystem. Fitness-Studios sollten Sie lieber meiden – allein schon wegen des Ansteckungsrisikos für andere.

Damit sich Ihre Erkältung bei einem Spaziergang an der kühlen Herbstluft nicht verschlimmert, hier ein paar Tipps:

  • Ziehen Sie sich der Witterung entsprechend an (Kopfbedeckung an kühlen Tage nicht vergessen, Zwiebelschalenprinzip in der Übergangszeit) und vermeiden Sie Bewegungen, die Sie ins Schwitzen bringen.
  • Ihre Abwehrkräfte können Sie zusätzlich stärken, wenn Sie ausreichend schlafen und sich ausgewogen mit viel Obst und Gemüse ernähren.
  • Ist die Erkältung überwunden, sollten Sie ihre sportlichen Aktivitäten langsam steigern. Der Körper braucht einige Zeit, bis er seine bisherige Fitness wieder erreicht hat.

Erkältungen vermeiden

Am besten gar nicht erst krank werden! Mit ein paar kleinen Tricks bringen Sie Ihr Immunsystem auf Trab und beugen Erkrankungen vor. Wenn die nächste Erkältungswelle anrollt, schützen Sie sich, indem Sie

  • besonders gut auf ausgewogene, vollwertige und vitaminreiche Ernährung achten
  • viel trinken, am besten Wasser oder ungesüßte Kräutertees
  • ausreichend schlafen und Stress vermeiden
  • warm-kalte Wechselduschen und Kneipp-Güsse anwenden
  • regelmäßig in die Sauna gehen
  • Abstand zu erkrankten Personen halten (Umarmungen, Händeschütteln etc. vermeiden)
  • häufig die Hände waschen
  • bei erkrankten Familienmitgliedern besonders gut auf Hygiene im Haushalt achten
  • unterwegs Handdesinfektionsmittel verwenden
  • Flächen, die von vielen Menschen berührt werden, möglichst nicht anfassen (Haltegriffe im Bus, Handläufe etc.)

Auch Kräuterpräparate und Vitamine können Ihnen helfen, das Immunsystem zu stärken. Fragen Sie Ihren Hausarzt oder lassen Sie sich in der Apotheke beraten!

Grippeschutzimpfungen dagegen helfen nur gegen die „echte“, oft sehr schwer verlaufende Influenza-Grippe. Zur Vorbeugung gegen die meist harmloseren „grippalen Infekte“ sind sie nicht geeignet.

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