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Arbeit, Arbeitslosigkeit und Gesundheit – eine wechselseitige Beziehung

Samstag, 1. Mai 2021

Zu viel Arbeit kann krankmachen – zu wenig Arbeit aber auch. Die Gleichung funktioniert genauso umgekehrt: Gute Arbeitsbedingungen können zur Gesundheit beitragen, und wer krank ist, hat es in der Arbeitswelt schwer. Während die seelischen und körperlichen Folgen von Überlastung bereits länger ein Thema sind, rückt die krankmachende Wirkung von Arbeitslosigkeit gerade in den Fokus der Aufmerksamkeit. Den Zusammenhang zwischen Gesundheit, Arbeit und Arbeitslosigkeit erkennen auch immer mehr Unternehmen, JobCenter und Arbeitsagenturen und sie bieten immer mehr Unterstützung an, um den gesundheitsschädlichen Kreislauf zu durchbrechen.

Was macht uns krank in der Arbeitswelt?

Schwere körperliche Arbeit, etwa das Heben von Lasten, kann sich auf Dauer schädlich auf die Gesundheit auswirken. Sie führt vor allem zu Muskel- und Skeletterkrankungen. Auch fehlerhafte oder unnatürliche Körperhaltungen können gesundheitsschädigende Auswirkungen nach sich ziehen – etwa, wenn viel in gebückter oder vorgeneigter Position, in der Hocke oder auf Knien, in beengten Verhältnissen, über Schulterhöhe oder über Kopf gearbeitet wird.

Die Beschäftigten klagen aber auch über psychische Belastungen wie z. B. große Arbeitshetze. Anhaltende Überforderung, die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit, Konkurrenz und Leistungsdruck gehören – neben dem ungesunden Sitzen am Schreibtisch – für viele Büromenschen zum Arbeitsalltag. Genauso wie unsichere Arbeitsverhältnisse verursachen diese Faktoren psychosomatische oder psychische Erkrankungen wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Herzinfarkte, Rückenschmerzen, Angststörungen, Depressionen und Suchtkrankheiten.

Wie können Betriebe die Gesundheit ihrer Belegschaft fördern?

Die meisten Arbeitgeber haben erkannt, dass gesunde, zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wertvoll für ihr Unternehmen sind und unterstützen aktiv deren Gesundheit. Ein umfassendes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) zählt mittlerweile sogar zu den wichtigsten Pluspunkten bei Bewerberinnen und Bewerbern. Neben dem gesetzlich verankerten Arbeitsschutz spielen Angebote zur Gesundheitsförderung, eine zeitgemäße Führungskultur, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder auch die altersgerechte Arbeitsgestaltung eine wichtige Rolle. Um ein erfolgreiches BGM aufzubauen, braucht es keine großen Firmen. Auch kleine und mittlere Unternehmen können mit passenden Angeboten für mehr Gesundheit in der Belegschaft sorgen. Hierbei erhalten sie Unterstützung durch das BGM-Netzwerk Rheinland-Pfalz.

Zur Gesundheitsförderung zählt die interne Laufgruppe genauso, wie Seminare zu Rückenschulung und Ergonomie, die finanzielle Beteiligung am Fitness-Studio oder am Entspannungskurs, das monatliche Inhouse-Massageangebot oder die Teilnahme an Aktionen wie „Mit dem Rad zur Arbeit“. Eine gesunde Ernährung kann durch das Kantinenessen gefördert werden, aber auch durch einen täglichen Obstkorb am Empfang, die Bereitstellung von Getränken, durch Aktionswochen oder Angebote zur Ernährungsberatung. Zu einem gesunden Betriebsklima braucht es vor allem eine Führungskultur, die den Menschen als Individuum in den Blick nimmt und für wertschätzenden Umgang miteinander sorgt. Flexible Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit und Arbeitszeitkonten tragen erheblich zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei: Sie können Überforderung, etwa durch Kinderbetreuung oder Pflege der Eltern, vermeiden und steigern allgemein die Arbeitszufriedenheit.

Neben der familiengerechten Gestaltung von Arbeitsverhältnissen rückt in letzter Zeit auch deren Anpassung an die Bedürfnisse älterer Beschäftigter in den Blick. Dies umfasst nicht nur die gesetzlich geregelte Altersteilzeit – auch die Anpassung der Aufgaben, die schrittweise Reduzierung der Wochenstunden oder die allmähliche Übertragung von Verantwortung können bewirken, dass der Eintritt in den Ruhestand für alle Beteiligten gesünder gelingt.

Welche Rolle spielt Gesundheitsförderung in der Arbeitslosigkeit?

BGM-Maßnahmen zeigen den Mitarbeitenden, dass sie ihrem Arbeitgeber wichtig sind und sie stärken deren Eigenverantwortung für ihre Gesundheit. Aber wie sieht das aus, wenn man keinen Arbeitgeber hat?

Die Gefahr, psychisch oder psychosomatisch zu erkranken, besteht auch bei Menschen ohne Arbeit. Zahlreiche wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass Langzeitarbeitslosigkeit ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellt. Unter Umständen leiden Erwerbslose sogar häufiger unter stressbezogenen Symptomen als Menschen, die im Erwerbsleben stehen.

Krankheit jedoch stellt wiederum einen Risikofaktor für Arbeitslosigkeit dar. Sie erschwert die Rückkehr in ein Arbeitsverhältnis. In der Erwerbslosigkeit rückt die Gesundheitsvorsorge dann aus den verschiedensten Gründen leicht in den Hintergrund. Neben der Kostenfrage steht nämlich oft auch die empfundene Außenseiterrolle dem Eintritt in einen Verein oder der Teilnahme an einem Volkshochschulkurs im Weg.

Der Gefahr, dass hieraus eine Negativspirale entsteht, will das Projekt „Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung in der kommunalen Lebenswelt“ entgegenwirken. Hierzu haben sich gesetzliche Krankenkassen, Akteure der Arbeitsförderung und Gesundheitsfachleute in Rheinland-Pfalz vernetzt, um gezielt Angebote für Arbeitssuchende zu entwickeln. Diese wiederum bringen als Experten in eigener Sache ihre Wünsche und Bedürfnisse ein.

Im Rahmen des Projekts werden zunächst Ansprechpersonen von Arbeitssuchenden für Gesundheitsfragen sensibilisiert und geschult, etwa in den Arbeitsagenturen und Beratungsstellen, bei Kleiderkammern und Tafeln. Im nächsten Schritt entsteht mithilfe von Netzwerkpartnern ein breites Angebot an kostenlosen, freiwilligen Kursen, Workshops und Schulungen. Während der Pandemie finden die meisten Angebote online statt: Kurse zu Entspannung und Ernährung gehören dazu, es gibt Bewegungseinheiten zum Mitmachen, Workshops zum gesunden Umgang mit digitalen Medien und zu wertschätzender Sprache. Auch Waldbaden ist digital möglich – in Form einer Phantasiereise.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Susanne Schneider, www.freistil-texte.de
Redaktion: Andrea Sudiana, E-Mail asudiana@lzg-rlp.de

 


Weiterführende Links

Über das BGM-Netzwerk Rheinland-Pfalz

Bewegte Pause – Videoanleitung

Wie Betroffene mit Jobverlusten umgehen – Interview mit einem Psychologen

Zeit für Gesundheit – Angebote zur Gesundheitsförderung für erwerbslose Menschen

 

Über das Projekt

Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung in der kommunalen Lebenswelt

DGB-Index Gute Arbeit – Untersuchungen zur Arbeitsqualität aus Sicht der Beschäftigten

 

Bundesministerium für Bildung und Forschung:

Langzeitarbeitslose profitieren von gesundheitsfördernden Maßnahmen


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