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Früherkennung kann Leben retten – auch in Corona-Zeiten Vorsorge nicht vernachlässigen!

Donnerstag, 16. Juli 2020 bis Freitag, 31. Juli 2020

Die Anfangsphase der Corona-Krise in Deutschland war geprägt von dem Bestreben, ärztliche Kapazitäten für an COVID-19 erkrankte Menschen freizuhalten. Nicht unbedingt notwendige Behandlungen und Untersuchungen wurden daher vorerst abgesagt. Mit dem allgemeinen Lockdown sollte erreicht werden, zwischenmenschliche Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren, um das Ansteckungsrisiko zu verringern und die Krankheitszahlen beherrschbar zu halten. Diese Strategie hat sich bewährt.

Eine negative Auswirkung der Maßnahmen war jedoch, dass viele Menschen aus Angst vor einer Infektion den Besuch in Arztpraxen und Notfallambulanzen vermieden – mit dem Ergebnis, dass zum Teil lebensbedrohliche Symptome nicht behandelt wurden. Auch viele Vorsorgeuntersuchungen wurden aufgeschoben – und sollten jetzt dringend nachgeholt werden. Denn je früher Krankheiten und Risikofaktoren erkannt werden, desto größer sind die Chancen auf Heilung oder Gesunderhaltung. Im besten Fall kann die Prävention Leben retten.

Arztpraxen haben umfassende Hygienekonzepte

Niemand braucht Angst davor zu haben, eine Arztpraxis aufzusuchen. Zum einen beachten Ärztinnen und Ärzte grundsätzlich die allgemeinen Regeln der Hygiene, zum anderen wurden wegen Corona umfangreiche zusätzliche Schutzmaßnahmen veranlasst. Verstärkte Desinfektion in Praxis-, Warte- und Untersuchungsräumen, Plexiglasscheiben als Spuckschutz, allgemeine Maskenpflicht, die Einhaltung von Abstandsregeln und entsprechend reduzierte Terminvergabe sind nach wie vor die Regel.

Die wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen

Es gibt eine Reihe von Vorsorgeuntersuchungen, die als wichtig und zuverlässig anerkannt sind und deshalb von den Krankenkassen bezahlt werden. Die Teilnahme an diesen Untersuchungen ist freiwillig, wird aber dringend empfohlen.

Die Vorsorge und Früherkennung von Krebserkrankungen zählt zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen. Obwohl die Krebssterblichkeit seit Jahren zurückgeht und mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten geheilt werden können, ist Krebs nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Krebs verläuft im Anfangsstadium meist ohne Beschwerden. Daher bieten Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen die beste Chance, die Krankheit so früh zu erkennen, dass sie besiegt werden kann.

Von Krebsvorsorge spricht man, wenn Vorstufen von Krebs entdeckt und entfernt werden. Gewebeveränderungen, die ein hohes Risiko für eine Krebsentstehung darstellen, werden damit beseitigt, bevor sie sich zu bösartigen Tumoren entwickeln. Möglichkeiten zur Krebsvorsorge gibt es bei Darmkrebs, bei Gebärmutterhalskrebs sowie bei manchen Hautkrebsformen.

Krebsfrüherkennung bedeutet dagegen, dass bösartig verändertes Gewebe zu einem sehr frühen Zeitpunkt entdeckt wird – also dann, wenn der Tumor noch klein ist, örtlich begrenzt ist und noch nicht gestreut hat. Je früher ein Tumor beseitigt wird und die Behandlung gestartet werden kann, umso besser ist in der Regel die Heilungsrate.

Auf diese Krebsvorsorge und Krebsfrüherkennung haben Sie Anspruch

  • Frauen ab 20 Jahren steht eine jährliche Untersuchung auf Gebärmutterhalskrebs Dabei wird neben einer gynäkologischen Untersuchung auch ein Zellabstrich vom Gebärmutterhals gemacht, der sogenannte Pap-Test.Neu ist seit 1. Januar 2020 das regelmäßige Screening auf Gebärmutterhalskrebs: Frauen erhalten alle fünf Jahre (mit 20, 25, 30 etc. bis 65 Jahren) eine persönliche Einladung ihrer gesetzlichen Krankenkasse, die Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs wahrzunehmen. Screening heißt, dass die Untersuchung allen Frauen dieser Altersgruppe angeboten wird, um diejenigen zu finden, die die Krankheit bereits in sich tragen, ohne es zu wissen.
  • Frauen ab 35 Jahren können neben der jährlichen gynäkologischen Untersuchung alle drei Jahre einen Test auf humane Papillomaviren (HPV) wahrnehmen. Dieser wird mit einem Pap-Abstrich kombiniert. Humane Papillomaviren gelten als Verursacher von Gebärmutterhalskrebs.
  • Frauen ab 30 Jahren können eine jährliche Brustkrebsuntersuchung in Anspruch nehmen. Zwischen dem 50. und dem 69. Lebensjahr werden Frauen alle zwei Jahre zum Mammographie-Screening eingeladen. Das ist eine Röntgenuntersuchung der Brust, mit der nach Frühformen von Brustkrebs gesucht wird.
  • Alle zwei Jahre können Frauen und Männer ein Hautkrebs-Screening durchführen lassen, zum Beispiel im Rahmen des allgemeinen Check-ups.
  • Männern ab 45 Jahren wird eine jährliche Genitaluntersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs empfohlen ­– der häufigsten und oft unterschätzten Krebserkrankung unter Männern, die vor allem im fortgeschrittenen Alter auftritt.
  • Versicherte ab 50 Jahre werden insgesamt vier Mal im Abstand von fünf Jahren zum Darmkrebs-Screening eingeladen. Dazu gehören Tests auf verborgenes Blut im Stuhl und Darmspiegelungen.

Weil Männer ein höheres Risiko für Darmkrebs haben, können sie eine Darmspiegelung (Koloskopie) bereits mit 50 Jahren in Anspruch nehmen. Bei Frauen gilt für die erste Darmspiegelung die Altersgrenze von 55 Jahren. Davor (ab dem 50. Lebensjahr) können sie jährlich einen Stuhltest durchführen. Eine zweite Koloskopie erfolgt bei beiden Geschlechtern jeweils 10 Jahre später. Wer keine Darmspiegelung machen lässt, kann alternativ von 50 bis 55 Jahren jährlich und danach im Zweijahresrhythmus einen Stuhltest machen.

Die Vorteile einer Darmspiegelung liegen allerdings auf der Hand: Bei der Untersuchung können Polypen, die als Krebsvorstufen gelten, erkannt und direkt entfernt werden, bevor sie sich zu Tumoren entwickeln.

Gesundheits-Check-up

Der Check-up dient der Früherkennung insbesondere von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und Nierenerkrankungen. Er steht Erwachsenen zwischen 18 und 34 Jahren einmalig zu, ab dem 35. Lebensjahr dann alle drei Jahre. Hierbei werden eigene Vorerkrankungen und Erkrankungen in der Familie abgeklärt. Außerdem gehören eine allgemeine körperliche Untersuchung, die Klärung des Impfstatus und ab dem 35. Lebensjahr Blut- und Urinuntersuchungen dazu. Im Rahmen des Check-ups kann auch ein Hautkrebs-Screening durchgeführt werden. Männer ab 65 erhalten eine einmalige Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader, denn sie haben ein erhöhtes Risiko für eine Erweiterung der Bauchschlagader und in der Folge für Blutungen im Bauchraum.

Zahnvorsorge

Erwachsene ab 18 Jahren sollten halbjährlich zur zahnärztlichen Untersuchung gehen und damit ihr Bonusheft füllen. So können sie erhebliche Kosten sparen, sollte irgendwann ein Zahnersatz notwendig werden. Bei Kindern und Jugendlichen gehören zahnärztliche Untersuchen zu den U- und J-Untersuchungen.

Schwangerschaftsvorsorge

Für schwangere Frauen sind umfangreiche Vorsorgeuntersuchungen und die Betreuung nach der Entbindung vorgesehen. Dazu gehören die Untersuchung der Schwangeren und des ungeborenen Kindes, die Überwachung von Risikoschwangerschaften, Ultraschalldiagnostik, Untersuchungen auf Infektionen und die Untersuchung und Beratung der Wöchnerin.

Jungen Frauen unter 25 Jahren wird ein jährliches Chlamydien-Screening empfohlen. Chlamydien sind Bakterien, die durch Sexualkontakte übertragen werden. Chlamydien-Infektionen kommen häufig vor, bleiben aber wegen fehlender Symptome oft unbemerkt. Unbehandelt können sie zu Sterilität, Schwangerschaftskomplikationen und Infektionen von Neugeborenen führen.

Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche

Die Gesundheitsuntersuchungen für Kinder und Jugendliche beginnen mit dem ersten Lebenstag. Sie sind zum größten Teil gesetzlich vorgeschrieben und geregelt. Weitere freiwillige Untersuchungen werden von den Krankenkassen bezahlt. Eltern sollten sich dabei nach den Vorgaben richten, die sie in Form von Untersuchungs- und Checkheften bei der Geburt erhalten.

Während der Corona-Krise wurden die festen Intervalle für Untersuchungen ab der U6 vorübergehend aufgehoben – die Untersuchungen sollten jedoch unbedingt nachgeholt werden. Das Robert-Koch-Institut rät dringend dazu, alle Untersuchungen sowie die dazugehörigen Impfungen wahrzunehmen. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass sich eine Impfung negativ auf die körpereigene Abwehr im Fall einer Corona-Infektion auswirke. Allenfalls Auffrischungsimpfungen, für die ein breites Zeitfenster vorgesehen ist, könnten auf Zeiten mit geringem Corona-Infektionsgeschehen verschoben werden, empfiehlt auch die Ständige Impfkommission (Stiko).

Bei den U-Untersuchungen werden der allgemeine Gesundheitszustand und die altersgemäße Entwicklung eines Kindes ärztlich überprüft, ebenso werden Untersuchungen auf bestimmte Erkrankungen und die Einschätzung von Risikofaktoren vorgenommen. Eltern erhalten eine umfassende Beratung.

Auch die Zahnvorsorge für Kinder und Jugendliche ist sehr umfangreich geregelt. Bis zum Alter von sechs Jahren werden Kinder im Rahmen der U-Untersuchungen insgesamt sechs Mal auf Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen untersucht, anschließend halbjährlich. Die Untersuchung umfasst eine Einschätzung des Kariesrisikos, die Inspektion der Mundhöhle, eine kindgerechte Mundhygiene-Beratung und die Motivation zur Prophylaxe. Außerdem kann ein Schutz gegen Karies und Zahnschmelzverletzungen auf die Zähne aufgebracht werden.


© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Susanne Schneider, www.freistil-texte.de
Redaktion: Birgit Kahl-Rüther, Mail: bkahl@lzg-rlp.de


Weiterführende Links

Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit zu Früherkennungsuntersuchungen

Die Verbraucherzentrale informiert zu Vorsorgeuntersuchungen und IGeL-Leistungen

Versuch einer Einschätzung von IGeL-Vorsorgen

Warum Ärzte auch während Corona empfehlen, Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen

Pro und Contra Vorsorgeuntersuchungen


 

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