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Stress durch zu viel Technik?

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Ein Smartphone oder ein Tablet ist heutzutage kein Luxusgegenstand mehr. Für viele Menschen geht ohne diese neuen Technologien gar nichts mehr. Wetterauskunft, Bus- und Bahnfahrplan, Navigation, Bezahlsystem – Smartphone und Co dringen in immer mehr Bereiche unseres Lebens ein. Privat wie auch im Studium oder Beruf ist das elektronische Vernetztsein oft unverzichtbar. Kaum etwas Anderes hat unsere Welt so schnell und so gravierend verändert wie das Smartphone und die damit verbundene ständige Erreichbarkeit. Das kann toll sein, aber es mehren sich die Anzeichen, dass dies zu einer ganz neuen Art von Stress führt, dem Technostress.

Stress durch Digitalisierung

Schauen wir uns ein paar Zahlen dazu an. In der Studie „Digitalisierung und Arbeitsqualität“ aus dem Jahr 2016 hat die Gewerkschaft ver.di herausgefunden, dass die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten in ihrer Arbeit mit Digitalisierung zu tun hat. 47 Prozent der Beschäftigten im Dienstleistungssektor, die in hohem oder sehr hohem Maße mit digitalen Mitteln arbeiten, sagen ausdrücklich, die Digitalisierung habe bei ihnen zu einer Steigerung der Arbeitsbelastung geführt. Kritisiert wird vor allem das häufige Unterbrochenwerden.
Im privaten Bereich ist es aber nicht besser. Schon im Jahr 2015 haben Wissenschaftler um den Informatiker Alexander Markowetz von der Universität Bonn herausgefunden, dass sich Smartphonenutzer zweieinhalb Stunden täglich mit dem Smartphone beschäftigen, Jugendliche sogar drei Stunden täglich. Die Probanden griffen im Schnitt 88 Mal danach, wovon sie es 53 Mal entsperrten, um eine App zu starten. Sogar beim Abendessen mit der Partnerin oder dem Partner oder bei der Arbeit griffen die Probanden zum Handy, scrollten durch Nachrichten, checkten Mails. Und somit sind wir ständig abgelenkt, unkonzentriert, gestört.

Die Konzentration ist gestört

Was ist daran so schlimm, könnte man fragen? Warum machen wir nach einer kurzen Unterbrechung nicht einfach da weiter, wo wir aufgehört haben? Genau das ist eben nicht so ohne weiteres möglich. Denn immer dann, wenn wir mal eben schnell auf eine Nachricht reagieren, switchen wir mit dem Bewusstsein in einen anderen Bereich. Damit gehen viele der kleinen Informationen, die wir im Kurzzeitgedächtnis zwischenspeichern, verloren. Um sie wieder auszugraben, brauchen wir bis zu 15 Minuten, je nachdem wie umfangreich die Ablenkung war. Und das raubt uns Zeit und Effizienz, denn wir können nicht sofort wieder in denselben Denkzustand gelangen wie zuvor. Dies gelingt schon gar nicht, wenn nach spätestens acht Minuten schon wieder eine E-Mail, eine WhatsApp-Nachricht oder eine SMS eintrifft und ablenkt. Somit wird durch die ständige Erreichbarkeit permanent vermieden, dass wir uns tiefer in eine Sache einarbeiten.
Die Ablenkbarkeit geschieht nicht ganz freiwillig. Denn der Absender einer Nachricht erwartet es heutzutage geradezu, innerhalb von kürzester Zeit eine Antwort zu bekommen. Dem anderen diese schnelle Antwort zu versagen, heißt, dem Erwartungsdruck standhalten. Das ist schwer, hat aber auch Vorteile. Denn das Gefühl, „ständig reagieren zu müssen“ wird als belastend empfunden, weil es zu einer Fremdbestimmung führt: Ich gestalte den Tag nicht mehr so, wie ich es für richtig halte, sondern danach, wie die Nachrichten eintreffen. Indem man sich den Zeitpunkt der eigenen Antwort aussucht, gewinnt man Selbstbestimmung zurück.

Tipps, wie Sie sich dem Sog durch die neuen Medien entziehen

Als erstes wäre es wichtig, dass sich neue Nachrichten nicht mehr so aggressiv ankündigen. Schalten Sie die Hinweistöne aus, es reicht, wenn auf dem Display das Eintreffen einer neuen Nachricht angezeigt wird.
Legen Sie das Smartphone doch einmal ganz beiseite, wenn Sie sich auf eine Aufgabe konzentrieren wollen. Sich konzentriert auf eine Sache zu fokussieren, kann für einen sogenannten Flow sorgen, wie es der Glückforscher Mihály Csíkszentmihályi ausdrückt. Der Flow ist nach dieser Auffassung das, was uns tief und nachhaltig befriedigt und den Technostress vermeiden hilft.
Treffen Sie zuhause mit Ihrer Familie oder auch im Freundeskreis Kommunikationsvereinbarungen. Zum Beispiel, dass Sie beim Essen nicht auf das Smartphone schauen, sondern sich auf das gemeinsame Gespräch konzentrieren.
Wenn Sie in Ihrem Beruf viel mit E-Mails zu tun haben, dann richten Sie sich bestimmte Zeiten ein, in denen Sie diese beantworten. Durch eine solche Struktur können Sie alle Antworten in einem Schwung erledigen und sich anschließend konzentriert anderen Aufgaben widmen.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de
Redaktion: Marielle Becker


 

Weiterführende Links

Digitalisierung und Arbeitsqualität, eine Auswertung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für den Dienstleistungssektor. Zur Homepage des DGB

Artikel von Dr. Christian Maier, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbes. Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen, an der Universität Bamberg
„Technostress – Wie sehr uns WhatsApp, Facebook und Co. im Alltag belasten“. Zur Homepage

Circa 8-minütiges Video der Techniker Krankenkasse mit dem Experten Dr. Volker Busch, Leiter der Psychosozialen Stress- und Schmerzforschung an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Regensburg. Insbesondere ab Minute 2:39 „Wie wirkt sich „Always on“ auf die psychische Gesundheit aus?“. Direkt zum Video

 


 

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