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Wenn Hitze auf die Seele schlägt – Psychisch gesund bleiben im Klimawandel

Freitag, 1. August 2025

Sonne bringt uns gute Laune – einerseits. Heiße Tage machen aber auch schlapp und können sogar psychisch belasten. Studien belegen, dass Hitze das Risiko für Gereiztheit, Unruhe oder depressive Verstimmungen erhöht. Angesichts der Klimaveränderungen wächst bei vielen das Gefühl von Hilflosigkeit und Sorge. Begriffe wie Klimaangst oder Klimatrauer fallen immer häufiger. Das zeigt: Der Klimawandel ist auch eine seelische Herausforderung. Was steckt dahinter – und mit welchen Strategien können wir uns dagegen wappnen?

Hier können Sie den Gesundheitstext anhören:


Je heißer die Tage, desto hitziger das Gemüt

Hitze versetzt unseren Körper in Alarmbereitschaft: Die Blutgefäße weiten sich, das Herz schlägt schneller und das Hormon Vasopressin wird vermehrt ausgeschüttet. Das hilft, Flüssigkeit im Körper zu halten, führt aber auch zu gesteigerter Reizbarkeit. Besonders ältere, vorerkrankte oder psychisch empfindliche Menschen leiden ab etwa 25 Grad häufiger unter Schlafproblemen, Kreislaufbeschwerden und Erschöpfung. Hitzetage können die Wirkung von Medikamenten, auch von Psychopharmaka, verstärken – körperlicher und seelischer Stress nehmen zu.

Studien zeigen, dass an besonders heißen Tagen Suizidraten, Gewaltdelikte und Unfallzahlen ansteigen. In Kliniken nimmt die Zahl der Notaufnahmen ebenso zu wie die Einweisungen in psychiatrische Einrichtungen. Die Hitze erschwert nicht nur körperliches, sondern auch soziales und geistiges Funktionieren.

Wenn die Welt zu viel wird – Klimaangst und Klimatrauer

Nicht nur die hohen Temperaturen machen zu schaffen – auch das Wissen um die Klimakrise kann belasten. Die Sorge um die Zukunft des Planeten und die eigenen Lebensumstände kann zu Stress, Angstzuständen und Hoffnungslosigkeit führen. Betroffene Menschen fühlen sich überfordert, traurig oder schuldig, wenn sie an Umweltzerstörung, Artensterben oder zukünftige Generationen denken.

Das ist verständlich. Klimaangst und Klimatrauer sind Reaktionen auf reale Bedrohungen. Sie zeigen, dass man mitfühlt – und Verantwortung übernehmen will.

Mit Fuß und Hand – Von der Ohnmacht in die Selbstwirksamkeit

Wir alle können im Alltag verantwortliche Entscheidungen treffen. Wer umweltbewusst lebt, kennt meist den ökologischen Fußabdruck. Der beschreibt die Spuren, die unsere Lebensweise auf dem Planeten hinterlassen.

Den eigenen Fußabdruck zu verkleinern, ist sinnvoll: weniger Auto fahren und fliegen, Energie sparen, regional einkaufen, mehr pflanzliche Lebensmittel genießen, langlebige Produkte wählen, reparieren statt wegwerfen, Dinge teilen oder gebraucht kaufen. Die Verkleinerung des eigenen Fußabdrucks hat aber Grenzen. Man konsumiert zwar individuell „besser", schafft aber keine neuen nachhaltigen Möglichkeiten für einen grundsätzlichen Wandel.

Hier kommt der ökologische Handabdruck ins Spiel. Er zeigt, wie wir über das eigene Verhalten hinaus positiv wirken können – etwa indem wir andere inspirieren, Strukturen verändern oder uns politisch und gesellschaftlich engagieren. Ein paar Beispiele:

  • Nicht nur selbst aufs Rad umsteigen, sondern sich auch für sichere Radwege im Viertel einsetzen.
  • Wer zu Hause bewusst einkauft, kann auch im Sportverein, im Kindergarten oder bei Veranstaltungen mithelfen, das Essensangebot nachhaltiger zu gestalten.
  • Sich immer gut über Natur, Umwelt, Klima und Gesundheit informieren – und dann regelmäßig Vorträge, Filmabende oder Infoabende rund ums Thema organisieren.

Im Unterschied zum Fußabdruck geht es nicht ums individuelle Vermeiden, sondern ums Ermöglichen: Wer andere zum Mitmachen gewinnt, Rahmenbedingungen verändert oder nachhaltige Ideen anstößt, vergrößert also seinen Handabdruck. Das ist nicht nur für Umwelt und Klima positiv, sondern auch für das eigene Gefühl von Sinn, Wirksamkeit und Zusammenhalt. All das motiviert und tut der seelischen Gesundheit gut.

Praktische Tipps

Das können Sie für sich selbst tun – seelisch wie körperlich

  • Achten Sie auf Ihr Wohlbefinden: Gönnen Sie sich Ruhepausen. An heißen Tagen langsamer machen, Aufgaben auf die kühleren Tageszeiten verschieben, innerlich einen Gang zurückschalten.
  • Trinken Sie regelmäßig und essen Sie leicht. Sanft abkühlen, zum Beispiel mit lauwarmem Duschen. Das hilft dem Körper und stabilisiert das seelische Gleichgewicht.
  • Nehmen Sie Ihre Gefühle ernst: Klimaangst, Ärger oder Sorgen sind normal. Emotionen dürfen sein – und können Kraftquelle und Motor für Veränderung werden.
  • Suchen Sie Gemeinschaft. Reden hilft. Wer sich mit anderen austauscht, merkt: Ich bin nicht allein. Gemeinsam ist man weniger machtlos.
  • Engagieren Sie sich. Aktivwerden hilft gegen Ohnmachtsgefühle. Sie könnten zum Beispiel Mitglied in lokalen Initiativen oder Projekten werden – etwa für Urban Gardening, Baumpflanzungen oder Müllvermeidung. Solche Gruppen finden Sie oft über lokale Umweltzentren, Stadtteilbüros, soziale Netzwerke oder Plattformen wie nebenan.de. Jeder Schritt zählt – auch kleine. Und: Freuen Sie sich über Erfolge!

So kommt Ihr Handeln der Gemeinschaft und der Zukunft zugute

  • Sprechen Sie über Natur, Klima und Gefühle – in der Familie, im Freundeskreis, in der Schule oder bei der Arbeit. Geben Sie Ihr Wissen weiter.
  • Achten Sie dabei besonders auf Kinder und Jugendliche. Sie brauchen Räume, in denen sie ihre Sorgen äußern und Zukunftshoffnung entwickeln können. Nehmen Sie die Gedanken der jungen Menschen ernst, stärken Sie ihr Vertrauen in die eigene Wirksamkeit – und ermutigen Sie sie, sich einzubringen.
  • Setzen Sie sich dafür ein, dass es für andere einfacher wird, sich ebenfalls gesund, klima- und naturschonend zu verhalten – vom Wasserspender im Büro über Fahrgemeinschaften bis zur Förderung grüner Flächen, Dächer und Fassaden.
  • Überlegen Sie: Wie können Sie Ihren ökologischen Handabdruck steigern? Wofür möchten Sie sich einsetzen? Wie können Sie ihre Fähigkeiten am besten einbringen?
  • Suchen Sie Verbündete – gerade solche, die andere Perspektiven und Fähigkeiten mitbringen. Vernetzen Sie sich.
  • Seien Sie Vorbild – nicht perfekt, aber mutig. So zeigen Sie: Wandel ist möglich.
  • Sammeln Sie Mutmach-Geschichten und Beispiele des Gelingens und reden Sie darüber. Das stärkt die Zuversicht.
  • Unterstützen Sie Gruppen und Organisationen, die sich für den Schutz unserer Lebensgrundlagen einsetzen – lokal, regional, bundesweit oder weltweit. Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu engagieren. Auch für Sie ist das Richtige dabei!

Fazit: Der Klimawandel fordert uns nicht nur körperlich, sondern auch seelisch heraus. Wer seine Gefühle ernst nimmt, sich schützt und ins Handeln kommt, kann besser mit den Belastungen umgehen und psychisch widerstandsfähiger werden. Und: Wir müssen nicht allein da durch. Seelische Gesundheit entsteht im Miteinander. Wer das Klima schützt, schützt auch sich und andere.

Sie können den Text herunterladen als PDF oder als Word-Dokument

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Lothar Frenz ▪ Redaktion: Birgit Kahl-Rüther, E-Mail bkahl@lzg-rlp.de


 

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