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Leben und Wohnen

Gemeinschaftliches Wohnen

Der Mensch für sich allein vermag gar wenig und ist ein verlassener Robinson; nur in der Gemeinschaft mit den andern ist und vermag er viel. (A. Schopenhauer)

Wohnen im Wohnprojekt: Gemeinsam mehr erleben und etwas bewirken!

Das Prinzip Gemeinschaftlichen Wohnens: Aufgaben teilen und gemeinsam mehr erleben. 

Was sind Wohnprojekte?

Wohnprojekte sind selbstorganisierte Nachbarschaften, die einige Bereiche der Alltagsorganisation teilen und sich auf ein gemeinsames Ziel verständigt haben. Ähnliche Lebensstile finden zusammen und machen sich auf den Weg in das Abenteuer „Wohnen“. 

Menschen brauchen in jedem Lebensalter Kontakt und eine Aufgabe. Die zunehmende Vereinzelung im Dorf und Individualisierung der Städte findet in gemeinschaftlichen Wohnprojekten ein Gegenmodell. Hier gründen kommunikative Menschen lebendige Nachbarschaften, die das Wohnen über die eigene Wohnungstür hinaus in das Wohnumfeld hinein selbst gestalten. Dabei gibt es kein Modell, sondern nur die gemeinsame Strategie, um herauszufinden was zu einem passt und wie es im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten zu den Standortbedingungen vor Ort verwirklicht werden kann. Dazu braucht man: eine starke Idee, eine nüchterne und pragmatische Projektplanung und positive, wohlwollende Partner im regionalen Raum, die neue Möglichkeiten einräumen, wo keine Regelaufgaben oder Erfahrungswerte bestehen. 

Alles kann – nichts muss 

Die Ideen sind so bunt und vielfältig wie die Wohnprojekte selbst. 

Der Gewinn von Wohnprojekten ist auf der einen Seite die gemeinsame Alltagsorganisation wie gemeinsame Waschküche, Fahrradwerkstatt, Bibliothek, Gästezimmer, Gemeinschaftsgarten. Das folgt dem Grundsatz: alles nutzen, aber nicht alles besitzen zu wollen. Mit den gleichen Mitteln werden mehr Nutzungsmöglichkeiten realisiert. Dafür fällt der Individualraum etwas kleiner aus. Der Gemeinschaftsraum zum Feiern, Verabreden und Diskutieren ist das Herz des Hauses. Je mehr die Nachbarn teilen, desto wichtiger ist der Privatraum – die eigene Wohnung ist der Rückzugsbereich. 

Der Gewinn ist auf der anderen Seite der lebendige Alltag. „Es kommt nicht darauf an, was du hast, sondern was du erlebst“ (Hyco Verhaagen). Wohnprojekte sind kommunikative Keimzellen, die ihre Talente bündeln und daraus Neues wachsen lassen. Das kann von der eigenen Freizeitgestaltung bis zu professioneller sozialer Arbeit reichen. Auf diese Weise schaffen Wohnprojekte soziale Strukturen in der Nachbarschaft, die dem Quartier und der Gemeinde Ressourcen zur Verfügung stellen und ein Stück Daseinsvorsorge leisten – über das individuelle Wohl hinaus – auf ganz freiwilliger Basis. 

+ Mehr Leben – besser wohnen für alle! 

Was ist Gemeinschaftliches Wohnen?

Gemeinschaftliches Wohnen heißt: Interessierte gründen Wohnprojekte in Form von Mietervereinen, Baugruppenprojekten, jungen Genossenschaften und dörflichen Netzwerken. So werden bürgerschaftliches Engagement, Potentiale in der Kommune und gemeinschaftsorientierte Wohnraumgestaltung zu einem vielschichtigen Konzept verbunden.

Zielgruppen

Zielgruppe unseres Arbeitsbereichs Gemeinschaftliches Wohnen sind Eigentümer und Mieter von Mehrgenerationen-Gemeinschaften und 50plus-Projekten, die von uns inhaltlich beraten werden.

Aber auch bezüglich einer konzeptionellen Ausrichtung beraten wir gerne:

  • Baugruppen mit dem Ziel, Wohnungs- oder Gemeinschaftseigentum zu gründen,
  • Mieter- und Bewohner-Vereine und deren Partner bzw. Vermieter
  • sowie Gründer von Genossenschaften.

Insgesamt beraten wir alle vom gesamten Planungsprozess eines gemeinschaftlichen Wohnprojekts Betroffene konzeptionell.

Mehrgenerationen-Gemeinschaft 

Gemische Altersgruppen unterstützen wir bei der inhaltlichen Ausrichtung als Mehrgenerationen-Gemeinschaft. Hierbei handelt es sich um generationenübergreifende Nachbarschaftsgemeinschaften, in denen das Miteinander der Generationen aktiv gelebt wird. In einem gemeinsamen Umfeld findet der Austausch von Fähigkeiten statt.

Junge Eltern mit Kindern, die nicht auf die Unterstützung durch Großeltern zurückgreifen können, sind extrem gefordert. In dieser Lebensphase finden Familien leicht zusammen, um ihren Alltag solidarisch zu organisieren. Die Kinder suchen Spielpartner, die Eltern unterstützen sich bei der Alltagsorganisation. Junge Baugruppengemeinschaften entwickeln sich weiter zu Wohnprojekten, wenn die Beratung stimmt und die Chance der gemeinsamen Aufgabe über das „Schöner Wohnen“ hinaus erkannt wird. Große Quartiersprojekte die in Zusammenarbeit mit Bürgern entstehen, werden schnell zum lebendigen Stadtteil. 

Das ideale Wohnprojekt sei eine bunte Mischung quer durch alle Lebenslagen, sagt WohnSinn eG aus Darmstadt. „Wenn man eine Straßenbahn nimmt und die Studenten rausschickt, hat man eine Idee, wer bei uns wohnt.“ Die Mischung unterschiedlicher Lebenslagen erfordert gemischte Wohnungszuschnitte, eine Dimension die auf mindestens 20 Wohneinheiten ausgerichtet ist und eine professionelle Planung. Im Alltag bietet es Vorteile, weil sich die Overheadkosten verteilen und mehr Lebensstile möglich sind. 

Wo viele Menschen sind, gibt es viele Meinungen. Erste Aufgabe von Wohnprojekten ist es, eine Kommunikationskultur zu entwickeln, die sie handlungs- und entscheidungsfähig macht. Wichtig für die Mischung ist, dass das Projekt in der Balance bleibt und seine Mitte immer wieder auspendelt. 

Gemeinschaft 50plus 

In einer Altersgruppe werden soziale Beziehungen geschaffen. Bei der Verfolgung gemeinsamer Ziele gilt es, behutsam soziale Nähe und Distanz zu gestalten.

Die Lebensmitte ist häufig eine Phase der Neuorientierung, sei es dass die Kinder aus dem Haus sind, der Beruf etwas Luft lässt oder das Leben im Single-Haushalt unbefriedigend ist. Menschen in der Lebensmitte, die sich für die Idee „Gemeinsam Wohnen“ begeistern, wünschen sich mehr als gemeinsame Alltagsorganisation. Sie wünschen sich verbindliche Beziehungen, gemeinsam Ziele erreichen und gemeinsam Erfahrungen machen. 

Gemeinschaft erfordert Abstimmung über unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungshorizonte. Wo Gemeinschaft ist, findet immer auch Kommunikation statt. Gelingt diese gut, kann die Gemeinschaft lange tragen und auch in Lebenskrisen und im Alter ein unterstützendes Umfeld bieten. 

Die skandinavischen Co-Housing-Projekte sind die ausgeprägteste Form der Nachbarschaftsgemeinschaft. Andere Pilotprojekte sind Mietervereine wie Vis-a-Vis in Mainz oder der Generationenhof Landau eG zeigen, was in Rheinland-Pfalz gemeinsam möglich ist.

Die Vereinsgründung als Ausgangspunkt

Der Idealverein ist die einzige Rechtsform, die kaum Kosten verursacht, aber eine Satzung mit Zielformulierung erfordert. Darum ist sie geeignet, um Initiativen auf dem Weg in eine gemeinsame organisierte Wohnform einen ersten Rahmen zu bieten. Der Verein bindet Mitglieder, die sich einer Idee verbunden fühlen und gemeinsam weiterarbeiten wollen.

Auch nach der Bildung einer Baugruppengemeinschaft oder der Gründung der endgültigen Rechtsform zur Verwaltung der Immobilie kann der Verein Bestand haben. Er kann die ehrenamtlichen Aktivitäten bündeln, die aus der gemeinsamen Zielsetzung hervorgehen.

Die Eigentümergemeinschaft (WEG)

Grundlage der Eigentümergemeinschaft ist die Vollfinanzierung des eigenen Wohnbereichs und anteilig der Gemeinschaftsbereiche. Der W.E.G. liegt eine Teilungserklärung zugrunde, es gibt Eigentum und Sondereigentum. Sie ist geeignet für kleinere Baugruppengemeinschaften unter zehn Wohneinheiten. Für sie wären die Overheadkosten einer Genossenschaft eher teuer, da sie sich auf wenige Haushalte verteilen. 

Initiativen gründen zunächst meist eine Planungs-GbR, bevor nach der Fertigstellung des Bauprojektes die W.E.G. eingetragen wird.

Die Genossenschaft (eG)

Grundlage der Wohnungsgenossenschaft ist das Genossenschaftsgesetz. Es legt fest, dass die Satzung von einem Prüfungsverband genehmigt und die Bilanz jährlich geprüft werden muss. Jede Genossenschaft muss Mitglied eines Prüfverbandes sein, was eine regelmäßige betriebswirtschaftliche Beratung gewährleistet. Die Leistungen des Prüfverbandes verursachen Kosten, deshalb ist eine Genossenschaft nur dann sinnvoll, wenn ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb vorliegt. 

Baugruppengemeinschaften, die sich zu einer Genossenschaft zusammen schließen, haben leben häufig die Idee vom Gemeinschaftseigentum. Viele haben das Einzeleigentum hinter sich gelassen und brechen auf zu einer neuen Erfahrung. Sie wollen mit ihrer Kapitaleinlage etwas bewirken.

Mieter- (bzw. Bewohner-)Verein

Wo kein Eigenkapital vorhanden ist, muss Wohnraum gemietet werden. Das heißt, die Initiative muss sich einen Partner suchen, der ihnen Wohnraum in entsprechendem Umfang vermietet. Der entscheidende Unterschied zum Wohnungsmarkt ist, dass die Gruppe gemeinsam einziehen möchte, d.h. es muss ein ganzes Haus, ein Hof oder ein Häuserblock zur Verfügung stehen. 

In der Praxis sind kommunale Wohnungsunternehmen ein geeigneter Ansprechpartner. Ideal ist, wenn bei anstehenden Bauvorhaben bereits während der Bauphase eine Kooperation besteht. Das erleichtert der Gruppe, Interessenten zu finden, weil das Vorhaben sehr konkret ist. Es erleichtert dem Unternehmen die Vermietung, weil die Vermarktung entfällt. 

Der entscheidende Unterschied zum Tagesgeschäft des Wohnungsunternehmens ist, dass es einen Kooperationsvertrag mit der Initiative schließt: Das Wohnprojekt sucht die Mieter aus, das Wohnungsunternehmen prüft die Bonität, wobei das Wohnprojekt für das Mietausfallwagnis mit einstehen muss.

Information und Beratung

Für die Planung gemeinschaftlicher Wohnprojekte ist es entscheidend, dass die gemeinsame Zielsetzung und die Planungsstrategie stimmen. Dabei unterstützten wir durch Beratung und durch Vermittlung von Fachexperten: von der Projektierung bis zur Umsetzung der Wohn- und Lebenspläne.

Gerne unterstützen wir Sie begleitend und beratend zum Thema Gemeinschaftliches Wohnen! Die Beratung erfolgt telefonisch oder bei Bedarf als Vor-Ort-Termin.

Die Kontaktdaten finden Sie in der rechten Spalte.

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