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Der Übergang von der Kita in die Schule in der Corona-Pandemie

Online-Elternabend der LZG mit Informationen und Tipps für den Schulanfang

Die Vorschulprogramme vieler Kindertagesstätten konnten in diesem Jahr nicht oder nur eingeschränkt stattfinden. Gerade Eltern, die zum ersten Mal ein Kind auf dem Weg vom Kita- zum Schulkind begleiten, fühlen sich überfordert. Ein Online-Elternabend der LZG mit Expertinnen aus Kita, Schule und Schulpsychologie stieß auf entsprechend großes Interesse: Rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Rheinland-Pfalz wollten wissen, was Kinder tatsächlich brauchen, um den Wechsel von der Kita in die Schule gut zu meistern. „Mit unseren LZgoesWeb-Veranstaltungen greifen wir aktuelle Themen aus dem Gesundheitsbereich auf, die viele Menschen beschäftigen. Die überwältigende Resonanz dieses Mal zeigt, welche Bedeutung die Einschulung des Kindes für die Familien hat und wie groß das Informationsbedürfnis ist“, stellt Dr. Matthias Krell, Geschäftsführer der LZG, fest. „Die drei Expertinnen aus der pädagogischen Praxis konnten Eltern zahlreiche Tipps mitgeben, wie sie diese wichtige Lebensphase erfolgreich gestalten und zur psychischen Gesundheit ihrer Kinder beitragen können.“

Schulpsychologin motiviert zum Vertrauen in das Kind

Schulpsychologin Marie-Christine Kees berichtete, dass 95 Prozent der Kinder den Übergang in die Schule problemlos bewältigen. Die dafür notwendigen Kompetenzen könnten auch mit einfachen Tätigkeiten im Familienalltag erworben werden: Telefonieren und Einkaufen beispielsweise fördern Wahrnehmung und Selbstständigkeit. Gurkenschälen und Wäsche anklammern schulen die Feinmotorik, Tisch decken und Geschirr einräumen trainieren Gedächtnis, Handlungsplanung und räumliche Wahrnehmung. Gespräche mit Schulkindern aus der Nachbarschaft ersetzen den Kennenlernbesuch in der Schule. Eltern könnten sich auch im Rahmen des Möglichen zusammentun und Abschlussfahrten, Übernachtungen und Abschiedsfeiern in Eigenregie organisieren, empfahl sie. Am wichtigsten aber sei es, dass Eltern ihrem Kind den Wechsel in die neue Lebensphase zutrauen, es in seinen Stärken unterstützen und ihm ein positives Bild von der Schule vermitteln – unabhängig davon, wie die eigenen Erfahrungen dort waren. Eltern könnten sich auch getrost von der Vorstellung verabschieden, ihr Kind müsse schon vor dem Schuleintritt Lesen, Rechnen und die Uhrzeit beherrschen – genau dies solle es in der Schule ja schließlich lernen.

Kitas tun, was sie können – aber unterliegen Sachzwängen

Lydia Pieroth, Leiterin der Kindertagesstätte Taka-Tuka-Land in Rümmelsheim, warb um Verständnis für die sehr unterschiedlichen Vorschul-Angebote der Kitas während der Schließung. Grundsätzlich habe jede Einrichtung hierfür ihr eigenes Konzept. Während der Corona-Pandemie spielten jedoch eine Vielzahl unterschiedlicher Auflagen von Kommune, Landesregierung oder Träger sowie wechselnde Kontakt- und Hygieneregelungen eine Rolle, die die Arbeit der Kita reglementierten. Auch müssten Erzieherinnen und Erzieher in jeder Situation neu entscheiden, was möglich sei und was sie sich selbst zutrauten, so Pieroth.

Viele Eltern irritierte und verärgerte die Unterschiedlichkeit der Angebote in diesem Jahr. Enttäuschung und Bedauern darüber, dass es in der Kita des Kindes keine Begleitung beim Übergang in die Schule gegeben habe, wechselnden sich im Chat jedoch ab mit Verständnis und Anerkennung für die Einrichtungen, die getan haben, was sie konnten. In ihrer eigenen Kita sei auf vielfältige Weise der Kontakt zu den Kindern aufrechterhalten worden, etwa indem „Arbeitsaufträge“ in den Briefkasten geworfen wurden, erläuterte Kita-Leiterin Pieroth. Statt in Präsenzgesprächen erfuhren die Eltern in schriftlicher Form von den Entwicklungsschritten ihrer Kinder und waren eingeladen, sich telefonisch mit den Erzieherinnen darüber auszutauschen.

Bei Fragen auf die Schule zugehen

Für Anne Kathrin Krebs, Leiterin der Grundschule Rümmelsheim, ist die Vernetzung von Schule und Kita von großer Bedeutung. Die Pandemie habe vieles verhindert, aber einiges sei dennoch möglich gewesen. An ihrer Schule zum Beispiel haben Patinnen und Paten den neuen Schulkindern einen Brief geschrieben oder ein Geschenk gebastelt. Für die Eltern hatte sie praktische Tipps parat: zusammen den Schulweg ablaufen und auch mal auf den Schulhof gehen, die Homepage der Schule betrachten, einen Schul-Countdown starten und damit die Vorfreude schüren. Auch Büchertipps zum Vorlesen hatte sie dabei. Grundsätzlich zeigte sie sich überzeugt, dass alle Schulen den Schuljahresbeginn besonders gestalten werden, um die eingeschränkte Vorbereitung der Kinder auszugleichen. Eltern, die eine Kontaktaufnahme vonseiten der Schule vermissten, ermutigte sie, selbst dort anzurufen und nach Möglichkeit in Kontakt mit der zukünftigen Lehrerin oder dem Lehrer ihres Kindes zu treten.

Fazit der Veranstaltung

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem digitalen Elternabend nahmen alle Anregungen interessiert auf und bedankten sich für den bereichernden Input, die guten Tipps und die aufbauenden Worte der Referentinnen. Trotz spürbarer Skepsis überwog in den meisten Wortmeldungen das Lob für den kreativen Umgang der Kitas und Schulen mit der Pandemie und die Zuversicht auf einen guten Schulanfang.

Es bleibt allen Eltern zu wünschen, dass ihren Kindern der Übergang von der Kita in die Schule gut gelingt. Eltern können dies unterstützen, indem sie die positiven Seiten des neuen Lebensabschnitts herausstellen, die Stärken ihres Kindes erkennen und fördern sowie ihm vertrauen, dass es seinen Weg finden wird.

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