Beraten – Begleiten – Stärken
Psychische Gesundheit in der Arbeit mit Erwerbslosen: 120 Fachkräfte tauschten sich über Belastungen und praktische Unterstützung aus
Wer mit Menschen in der Erwerbslosigkeit arbeitet, begegnet täglich psychischen Belastungen – bei den Klientinnen und Klienten, aber auch bei sich selbst. Erwerbslosigkeit erhöht das Risiko für psychische Erkrankungen, während die begleitenden Fachkräfte oft am Limit arbeiten. Wie können beide Seiten gestärkt werden? Wie können Fachkräfte ihre Klientinnen und Klienten in der Gesundheitsförderung unterstützen, aber auch selbst gesund bleiben? Welche präventiven Ansätze und praktischen Methoden der Resilienzförderung und Stressbewältigung gibt es? Mit diesen Fragen setzten sich über 120 Fachkräfte beim Fachtag „Beraten – Begleiten – Stärken" in Mainz auseinander.
Die Veranstaltung fand im Rahmen des Programms teamw()rk für Gesundheit und Arbeit statt, das vom GKV-Bündnis für Gesundheit gefördert wird. In Rheinland-Pfalz wird teamw()rk von der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) in Trägerschaft der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. koordiniert.
Martin Schneider, Leiter der Landesvertretung vdek, sprach eingangs stellvertretend für die ARGE GKV-Bündnis für Gesundheit Rheinland-Pfalz und betonte die Bedeutung von Gesundheitsförderung sowie die aktuellen Herausforderungen für das Sozialversicherungssystem. Katharina Heil, Ministerialdirektorin im Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz, dankte in ihrem Grußwort vor allem den Fachkräften für ihr Engagement und hob die Haltung des Programms teamw()rk hervor, das Menschen in Erwerbslosigkeit auf Augenhöhe begegne.
Psychische Belastung bei erwerbslosen Menschen
Prof. Dr. Alfons Hollederer vom Institut für Sozialwesen der Universität Kassel verdeutlichte das Ausmaß der Problematik: Psychische Erkrankungen seien in keiner Versichertengruppe so stark verbreitet wie bei erwerbslosen Menschen. Tatsächlich zeigen verschiedene Studien, dass das Risiko für Depressionen, Angstzustände, psychosomatische Beschwerden und vermindertes Selbstwertgefühl bei erwerbslosen Menschen deutlich höher ist als bei Berufstätigen. Der Ansatz des Fachtags sei deshalb ein wichtiger Beitrag, um Unterstützung ohne Stigmatisierung zu ermöglichen.
Gesundheit der Beratenden im Fokus
Die Psychologin M.Sc. Maike Maria Vogel rückte in ihrem Vortrag die Gesundheit der Fachkräfte selbst in den Fokus. Sie machte deutlich, dass gute Beratung stabile Rahmenbedingungen und gesunde Arbeitsbedingungen erfordert. Wer andere unterstützen soll, braucht selbst Ressourcen und Schutz vor Überlastung. Nur mit ausreichender Selbstfürsorge und strukturellem Rückhalt könnten Fachkräfte ihre anspruchsvolle Arbeit langfristig und qualitativ hochwertig leisten.
Workshops: Impulse für praktisches Handeln
Am Nachmittag bot der Fachtag Workshops mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Roland Schulz (Wissensimpuls Dresden) vermittelte Strategien im Umgang mit Stress und regte mit seiner provokanten Aussage „So wichtig sind Sie gar nicht!" dazu an, gesunde Grenzen in der Beratungspraxis zu setzen. Claudia Christ, Diplom-Psychologin und langjährige Referentin im Programm teamw()rk, zeigte praktische Achtsamkeitsübungen, um akutem Stress zu begegnen und langfristig Resilienz aufzubauen. Rita Wüst, Projektleiterin teamw()rk Bayern, stellte ein praxisorientiertes Manual vor, das Fachkräfte bei der Begleitung erwerbsloser Menschen ins Handeln bringt.
Perspektiven Betroffener
Begleitend präsentierte der Sozialverband VdK Informationen zum Schwerpunkt „Armut" und zeigte Teile seiner Ausstellung, die im Foyer des Verbandes in Mainz besucht werden kann. Zudem stellte sich das Netzwerk Mitgestalten RLP! vor – ein Zusammenschluss erwerbsloser Menschen, die aktiv an der Weiterentwicklung des Programms teamw()rk beteiligt sind.
Fazit: Praxisnähe überzeugt
Der Fachtag hat gezeigt, dass psychische Gesundheit nicht nur Wissen über Belastungsfaktoren braucht, sondern vor allem konkrete Handlungsmöglichkeiten und gute Rahmenbedingungen im Beratungsalltag. Er hat hierfür wichtige Impulse gesetzt – sowohl für die Unterstützung erwerbsloser Menschen als auch für die Selbstfürsorge der Fachkräfte. Diese haben die Veranstaltung als rundum gelungen bewertet und beurteilten insbesondere die praxisnahen Workshops als wertvolle Unterstützung für ihre tägliche Arbeit.
Weitere Informationen
Informationen zum Programm „teamw()rk für Gesundheit und Arbeit" in RLP:
https://lzg-rlp.de/de/gesundheit-und-erwerbslosigkeit.html
Kontakt: agf@lzg-rlp.de
V.i.S.d.P.: Susanne Herbel-Hilgert, Geschäftsführerin der LZG
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Birgit Kahl-Rüther
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