Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.
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Neue Wanderausstellung informiert über familiären Darmkrebs

Früherkennung und offener Dialog als Schlüssel zur Vorsorge

Heute wurde im Abgeordnetengebäude des Landtags in Mainz die Wanderausstellung „Familiärer Darmkrebs: Früh informiert – besser geschützt.“ durch Landtagspräsident Hendrik Hering eröffnet. Mit rund 55.000 Neuerkrankungen jährlich gehört Darmkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Etwa 30 Prozent der Fälle sind auf eine familiäre oder erblich bedingte Vorbelastung zurückzuführen – eine Tatsache, die vielen Betroffenen und deren Angehörigen nicht bewusst ist. Die Ausstellung setzt genau hier an: Sie ermutigt dazu, offen über Darmkrebs in der Familie zu sprechen, damit Familienmitglieder ihr persönliches Risiko erkennen und Vorsorge treffen können.

„Die steigenden Darmkrebszahlen bei jungen Menschen sind ein Weckruf. Wir müssen das familiäre Risiko stärker ins Blickfeld rücken und durch gezielte Aufklärung dafür sorgen, dass vorhandene Vorsorgeangebote auch genutzt werden. Nur so können wir Darmkrebs frühzeitig erkennen und wirksam vorbeugen“, unterstrich Gesundheitsminister Clemens Hoch in seinem Grußwort zur Eröffnung. „Das bedeutet für uns alle, Verantwortung zu übernehmen – in der Politik, im Gesundheitswesen, in der Gesellschaft sowie im eigenen Umfeld, um Gesundheit zu schützen und Leben zu retten.“ Der Minister sprach auch im Namen von Ministerpräsident Alexander Schweitzer, der die Schirmherrschaft für die Ausstellung übernommen hat und damit der Bedeutung dieses wichtigen Themas Ausdruck verleiht.

Ausstellung macht das Thema erlebbar

Die neue Wanderausstellung, initiiert von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) und der Stiftung LebensBlicke, macht das Thema familiärer Darmkrebs lebendig und greifbar. Im Mittelpunkt stehen lebensgroße Figuren einer fiktiven, aber typischen Familie mit Darmkrebsschicksal. Anhand ihrer persönlichen Geschichten wird gezeigt, wie belastend der frühe Verlust eines Familienmitglieds sein kann und welche Rolle ein offener Umgang mit der Krankheit innerhalb der Familie spielt. Roll-ups sowie per QR-Code abrufbare Interviews mit Fachleuten und Betroffenen bieten vertiefende Informationen.

Bei der Ausstellungseröffnung kamen sie auch in einer Gesprächsrunde zu Wort und vermittelten persönliche Erfahrungen sowie fachliches Wissen. Dr. Manfred Scharein, der selbst an Darmkrebs erkrankt war, hob hervor, wie sehr Offenheit und Austausch in der Familie helfen können, eine Diagnose gemeinsam zu bewältigen und medizinische Vorsorge rechtzeitig in Anspruch zu nehmen. Simone Widhalm, die mit dem erblichen Lynch-Syndrom lebt, berichtete, wie sie in sozialen Medien über die Krankheit aufklärt und auf diesem Weg viele andere Betroffene erreicht und unterstützt. „Schweigen schützt niemanden“, betonte auch Professorin Dr. Ursula Rieke, Vorsitzende der LZG. „Mit der Ausstellung möchten wir Mut machen, das oft tabuisierte Thema familiärer Darmkrebs anzusprechen. Nur durch ehrlichen Austausch innerhalb der Familie können Betroffene ihr Risiko erkennen und rechtzeitig handeln.“

Gesunder Lebensstil und regelmäßige Vorsorge

„Wir versäumen als Gesellschaft wichtige Chancen, wenn wir Menschen mit familiärem Darm­krebsrisiko nicht gezielt erreichen und informieren", bekräftigte Professor Dr. Jürgen F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke, die sich seit 1998 bundesweit für die Darmkrebsvorsorge einsetzt. „Hier liegt ein enormes Präventionspotenzial brach. Durch bessere Aufklärung, wie zum Beispiel durch diese Ausstellung, und frühere Vorsorgeuntersuchungen bei den Betroffenen können wir viele Krebsfälle verhindern und die Gesundheit von Menschen erhalten, statt später Leiden zu behandeln.“ Riemann wies zugleich auf die schützende Wirkung eines gesunden Lebensstils hin: „Ballaststoffreiche Ernährung, regelmäßige Bewegung, Vermeidung von Übergewicht sowie der Verzicht auf Tabak und Alkohol sind entscheidende Faktoren, um Darmkrebs vorzubeugen.“

Finanziell gefördert wird die Ausstellung vom Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit sowie der BARMER. Deren Landesgeschäftsführerin in Rheinland-Pfalz und im Saarland, Dunja Kleis, sagte: „Bei Darmkrebs sind die Heilungschancen meist gut, wenn er frühzeitig erkannt wird. Deshalb übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für die Darmkrebs­vorsorge für ihre Versicherten ab 50 Jahren.“ Versicherte in diesem Alter bekämen von ihrer Krankenkasse eine Einladung zur Darmkrebsvorsorge und hätten die Wahl zwischen Stuhltests und Darmspiegelungen. „Leider werden die Angebote zur Darmkrebsvorsorge in Deutschland noch zu selten in Anspruch genommen. In den vergangenen Jahren war die Zahl der Menschen, die zur Darmkrebsvorsorge gingen, sogar rückläufig“, berichtete Kleis. Sie appellierte an alle Menschen über 50 Jahren, die Darmkrebsvorsorge zu nutzen, und wies darauf hin, dass bei Auffälligkeiten, Beschwerden oder familiärer Vorbelastung jederzeit auch vor dem 50. Geburtstag eine Darmspiegelung durchgeführt werden kann, und zwar ohne Überweisung direkt in der fachärztlichen Praxis.

Ausstellung geht auf Tour

Die Ausstellung „Familiärer Darmkrebs: Früh informiert – besser geschützt.“ steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Alexander Schweitzer. Sie wird in ganz Rheinland-Pfalz unterwegs sein und kann von interessierten Institutionen, Unternehmen, Kommunen und Schulen bei der LZG ausgeliehen werden. Inhaltlich schließt sie an die erfolgreiche Vorläuferin „Vermeiden statt leiden“ an, mit der die LZG und die Stiftung LebensBlicke bereits ab 2017 gemeinsam zur Darmkrebsvorsorge motivierten.


Die Ausstellung „Familiärer Darmkrebs: Früh informiert – besser geschützt.“ wird im Jahr 2025 an diesen Standorten öffentlich gezeigt:

  • MEDIAN Soziotherapeutisches Zentrum, Bad Dürkheim
    28. Oktober bis 9. November 2025
  • Industrie- und Handelskammer Koblenz
    11. bis 23. November 2025
  • Handwerkskammer Koblenz, Zentrum für Ernährung und Bewegung
    25. November bis 9. Dezember 2025
  • Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Standort Kemperhof, Koblenz
    11. bis 31. Dezember 2025

Ausleihe bei der LZG
Die Wanderausstellung kann von Kommunen, Unternehmen und Institutionen in Rheinland-Pfalz kostenlos bei der LZG entliehen werden. Informationen und Anfragen unter https://lzg-rlp.de/de/ausstellungen/ausstellung-familiaerer-darmkrebs.html. 

V.i.S.d.P. Susanne Herbel-Hilgert, Geschäftsführerin

 

Gruppenfoto v.l.n.r.: Dunja Kleis/BARMER, Dr. Manfred Scharein, Gesundheitsminister Clemens Hoch, Prof. Dr. Jürgen F. Riemann/Stiftung LebensBlicke, Prof. Dr. Ursula Rieke/LZG, Landtagspräsident Hendrik Hering, PD Dr. med. Karoline Horisberger/Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Markus Mühler/Universitätsmedizin Mainz

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