Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.
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Leben und Wohnen

Wohn-Pflege-Gemeinschaften

Lebensqualität im Alter bedeutet für viele Menschen gut zu wohnen, soziale Kontakte zu haben und bei Bedarf individuell angepasste Pflege- und Betreuungsleistungen zu erhalten. Für Menschen, die aufgrund altersbedingter körperlicher oder geistiger Einschränkungen (z.B. als Folge einer Demenz) nicht mehr in den eigenen vier Wänden verbleiben können, ist das Wohnen in einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft eine gute Alternative. 

Hinweis: Im folgenden Text wird von Wohn-Pflege-Gemeinschaften (WPG) gesprochen nach § 5 Landesgesetz über Wohnformen und Teilhabe in Rheinland-Pfalz (LWTG). LWTG § 5

 

Wohn-Pflege-Gemeinschaften ermöglichen es Menschen mit Unterstützungs- und Pflegebedarf in einer vertrauten häuslichen Atmosphäre nach ihrem individuellen Lebensrhythmus und den persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen zu leben. Wohn-Pflege-Gemeinschaften bieten eine wohnortnahe Unterstützung.

Konkret kann eine Wohn-Pflege-Gemeinschaft (WPG) folgendermaßen gestaltet sein: In einer großen Wohnung oder in einem Haus leben bis zu acht beziehungsweise bis zu zwölf Menschen zusammen. Jeder Bewohner hat einen persönlichen Wohnbereich, der nach eigenen Wünschen eingerichtet werden kann. Zudem teilt sich die Gruppe Gemeinschafts- und Wirtschaftsräume. Lebensmittelpunkt ist die Wohnküche, in der die Bewohner gemeinsam kochen, Hausarbeiten verrichten und den Alltag leben.

Die Bewohner der Wohn-Pflege-Gemeinschaft gestalten mit Unterstützung ihren individuellen Lebensraum und bestimmen ihren Tagesablauf, etwa mit gemeinsamem Einkaufen, Kochen oder Spazierengehen. Je nach Bedürfnis können sie sich aktiv beteiligen, einfach nur dabei sein oder sich in ihre Privatsphäre zurückziehen. Als eigenständige Mieter wählen sie in der Regel gemeinschaftlich, wer sie betreut und pflegt. Auch wer als neues Mitglied in die WPG einzieht, wird gemeinsam entschieden.

Zielgruppe des Arbeitsbereichs Wohn-Pflege-Gemeinschaften sind

  • Initiatoren,
  • unterstützungsbedürftige und pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige und Betreuer
  • potentielle Dienstleister und Vermieter
  • sowie alle anderen beteiligten Akteure.

Wohn-Pflege-Gemeinschaften folgen dem Prinzip der gemischten Unterstützungsarrangements mit größtmöglicher Selbstbestimmung. Bewohnerinnen und Bewohner, Betreuerinnen und Betreuer, Angehörige und Pflegedienste sind an der Organisation gemeinsam beteiligt.

Die Entscheidung, wer letztlich was und wann in der Gemeinschaft leistet, liegt zunächst bei den Bewohnerinnen und Bewohnern. Sofern eine eingeschränkte Alltagskompetenz keine Entscheidungen mehr zulässt, werden die betroffenen Menschen von ihren gesetzlichen Vertreterinnen und Vertretern unterstützt. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben die Wahlfreiheit, welche Dienstleistungen sie wann und von wem in Anspruch nehmen.

Das Landesgesetz über Wohnformen und Teilhabe (LWTG) § 5 LWTG bildet die rechtliche Grundlage.

Ein wichtiges Merkmal dieser Wohnformen ist die Einbindung von Angehörigen, Nachbarn und Ehrenamtlichen. Deren Engagement ist erwünscht und erforderlich, um die Selbstbestimmung der Bewohner zu unterstützen, die Kontinuität zu sichern und das Wohnmodell bezahlbar zu machen.

Das bürgerschaftliche Engagement von Anfang an mit zu berücksichtigen und auch zu nutzen ist ein zentraler und wichtiger Aspekt. Auch kommt den Angehörigen in ihrer Rolle der gesetzlichen Vertretung für die Organisation eine besondere Bedeutung zu. Die Verwaltung des Haushaltes und die Planung der Tagesabläufe geschehen im Interesse der Bewohner. Dabei ist deren Wahlfreiheit und Selbstbestimmung zu beachten.

Die Bewohner entscheiden selbst, wie Grundpflege, Behandlungspflege, hauswirtschaftliche Versorgung oder soziale Betreuung organisiert und geleistet wird. Die ausgewählten Dienstleister begleiten und betreuen die Bewohner nach ihren individuellen Bedürfnissen.

Im Unterschied zu einer stationären Einrichtung werden die Kosten in WPGs nicht monatlich an eine Institution entrichtet, sondern jeweils gesondert an unterschiedliche Leistungserbringer bezahlt. Es lassen sich folgende Kostenarten unterscheiden:

Mietkosten: Sie gehen direkt als Einzelmiete oder indirekt als Gesamtmiete an den Vermieter des Wohnraumes. Darin enthalten sind der Mietzins und die Betriebs- und Heizkosten.

Kosten des Haushalts: Monatlicher Fixbetrag, mit dem die WPG oder die von ihr beauftragte Person die erforderlichen Einkäufe des täglichen Bedarfs deckt. Diese Haushaltskasse wird gemeinschaftlich verwaltet.

Kosten für die Betreuung: Kosten, die für die Dienstleitungen im Alltag anfallen, die von einem Dienstleister oder Angestellten (Arbeitgebermodell) erbracht werden.

Kosten der Pflege: Pflegeleistungen werden in der Regel in WPGs als sogenannte „Sachleistung“ von einem ambulanten Pflegedienst erbracht. Sie werden bei entsprechendem Anspruch, d.h. wenn die Einstufung vorliegt, direkt mit der Pflegekasse abgerechnet.

Rücklagen: Die gemeinschaftliche Wohnungsausstattung unterliegt einer Abnutzung. Für die Ersatzbeschaffung und Reparaturen sollte eine Rücklage gebildet werden. Dies ist für Bewohner mit Sozialhilfebezug mit dem örtlichen Träger der Sozialhilfe abzustimmen.

Die verschiedenen Kosten summieren sich zu einem monatlichen Gesamtbetrag. Kann ein Bewohner diese Kosten absehbar nicht aus dem eigenen Einkommen oder Vermögen aufbringen, ist es ratsam, bereits frühzeitig mit dem zuständigen Sozialhilfeträger in Kontakt zu treten, um die Ansprüche auf Sozialhilfe zu klären.

Das Entgelt für die Pflege und Betreuung ist abhängig vom individuellen Hilfebedarf und den daraus ermittelten Pflegegrad der Bewohnerinnen und Bewohner.

Folgende Tabelle gibt einen Überblick.

Menschen mit erheblichem allgemeinen Betreuungsbedarf können zusätzlich Betreuungsleistungen bei der zuständigen Pflegekasse beantragen.

Weitere zusätzliche Leistungen für Pflegebedürftige die in WPGs leben:

  • § 38a SGB XI: Anspruch auf 214 € zusätzliche Leistungen für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen, in denen mindestens drei Pflegebedürftige leben, in der eine Pflegekraft tätig ist und heimrechtliche Vorschriften nicht entgegenstehen.
  • § 45e SGB XI: Anschubfinanzierung von 2.500 € bei gemeinsamer Gründung einer Wohngemeinschaft, maximal 10.000 € je WG.
  • § 40 SGB XI: Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen von maximal 16.000 €, wenn mehrere Pflegebedürftige in einer gemeinsamen Wohnung leben.

 

Weitere Informationen zum PSG II finden Sie auf den Seiten des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie

PSG II - Änderungen zum 1. Januar 2017

 

Die Landesberatungsstelle Neues Wohnen, Arbeitsbereich Wohn-Pflege-Gemeinschaften, bietet folgende Leistungen:

  • Allgemeine Information rund um das Thema neue Wohnkonzepte bei Unterstützungs- und Pflegebedarf
  • Beratung für Institutionen und Personen, die eine Wohn-Pflege-Gemeinschaft aufbauen wollen oder sich für diese Wohnform interessieren
  • Fachkundige Informationen für pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige
  • Netzwerkarbeit mit allen beteiligten Akteuren

Gerne unterstützen wir Sie begleitend und beratend zum Thema Wohn-Pflege-Gemeinschaften! Die Beratung erfolgt telefonisch oder bei Bedarf als Vor-Ort-Termin.

Die Kontaktdaten finden Sie in der rechten Spalte.

Der Werkzeugkoffer richtet sich an alle, die eine Wohn-Pflege-Gemeinschaft gründen wollen oder bereits betreiben. Er enthält konkrete „Werkzeuge“, die dazu nötig sind und ermöglicht es, den jeweils passenden Mix zusammenzustellen. Interessierte finden Informationen zu den Grundlagen einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft, Handlungsanleitungen für die Gründung sowie Wissenswertes rund um Finanzierung und Unterstützung einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft.

Zum Werkzeugkoffer

Materialien der LZG

Die LZG-Broschüre „Neues Wohnen – Leitfaden für Wohn-Pflege-Gemeinschaften" finden Sie in unserem Shop.

Info Qualitätssicherung

Informationen zur Qualitätssicherung in ambulant betreuten Wohngemeinschaften erhalten Sie auf der Internetseite der WG Qualitaet.de.

Journal Wohn-Pflege-Gemeinschaften

Das bundesweite Journal für Wohn-Pflege-Gemeinschaften, herausgegeben von der Hamburger Koordinationsstelle für Wohn-Pflege-Gemeinschaften STATTBAU HAMBURG Stadtentwicklungsgesellschaft mbH und KIWA - Koordinationsstelle für innovative Wohn- und Pflegeformen im Alter in Schleswig-Holstein können Sie hier herunterladen:

Oktober 2015
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Oktober 2016
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Oktober 2017
Link

Impressionen aus einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft

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Kontakt

Astrid Grunewald-Feskorn
06131 2069-63
agrunewald-feskorn@lzg-rlp.de

Petra Mahler
06131 2069-20
pmahler@lzg-rlp.de

Stephanie Mansmann
06131 2069-29
smansmann@lzg-rlp.de

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