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Leben und Wohnen

Wohnen im ländlichen Raum

Der ländliche Raum hat eine ganz eigene Prägung, die oft mit der Landschaft, ihrer Nutzung und seiner Historie zusammenhängt. Das Zusammenleben ist eher familiär geprägt; man kennt sich, man hilft sich. Wer dort gelebt hat, möchte auch dort alt werden. Rheinland-Pfalz ist ein Flächenland mit ausgedehnten ländlichen Räumen beispielsweise in Hunsrück, Eifel, Westerwald oder der Pfalz. Das Wohnen in Dörfern und Landgemeinden findet bis zu 95% im eigenen Haus statt, so die Statistik des Landesamtes.

Für das Wohnen im Alter ergibt sich daraus eine Fragestellung, die vor allem beim Wohnraum ansetzt. Aber nicht allein, auch die nachbarschaftlichen Netzwerke müssen in die Konzeptentwicklung für ein Wohnen der Zukunft einbezogen werden. Die Nachbarschaftshilfe für das Feuerholz reicht nicht aus, es müssen Kümmererstrukturen aufgebaut werden.

Hier setzt die Arbeit der Landesberatungsstelle Neues Wohnen an. Ziel ist es, die Gemeinden in Rheinland-Pfalz zu vernetzen, Mut und Erfahrungen weiterzugeben, um kleine Prozesse der Veränderung in Gang zu setzen, aus denen Projekte resultieren.

Impulsgeber für „Neues Wohnen“

Impulse für zukunftsorientierte Projekte gehen häufig von der Dorfgemeinschaft oder einem Arbeitskreis im Gemeinderat aus. „Wohnen im Alter“ oder „Wohnen mit Teilhabe“ heißen die Projekte, die barrierefreien Wohnraum, Pflege und Nachbarschaftshilfe ins Dorf bringen sollen. Dabei greift man unter anderem auf die Unterstützungsmöglichkeiten der Landesberatungsstelle zurück, indem Informationen und Vorträge zu neuen Wohnformen, Engagementförderung und Projektbegleitung in den Ort geholt werden.

Die Anforderungen an neue Wohnkonzepte für den ländlichen Raum sind im Überblick eher ähnlich. Nachgefragt werden vor allem barrierefreie Wohnungen, kleine Wohnungszuschnitte, günstige Mieten für kleine Einkommen. Das Wohnen muss verknüpft sein mit Hilfeangeboten bei vorübergehenden Unpässlichkeiten oder dauerhaft sich verschlechternder Gesundheitslage. Es muss fließende Übergänge zu mobiler Pflege und Haushaltshilfe bieten.

Insgesamt hat sich aus diesen Aufgabenstellungen eine Antwort ergeben, die wir die „Dorfmitteprojekte“ nennen. Meist handelt es sich um ein Gebäude an einem zentralen Standort, wo auf etwa tausend bis zweitausend Quadratmetern Fläche seniorengerechte Wohnungen zu bezahlbaren Preisen entstehen – ergänzt durch gemeinschaftlich genutzte Flächen für Freizeit und Betreuung. Teilweise geschieht dies in Eigenregie der Gemeinde.

Die „Dorfmitteprojekte“ sind n der Regel eingebettet in eine „sorgende Gemeinschaft“, die sich um die Bewohnerinnen und Bewohner kümmert. Gewerbeflächen für Pflegedienst, Physiotherapeuten oder ein Bürgerbüro, welches Betreuungs- und Haushaltsdienste organisiert.

Soweit der Standort und das Investment es hergeben, kann eine Wohn-Pflege-Gemeinschaft in das Ensemble eingebettet sein. Auch Angebote der Tagesbetreuung oder Tagespflege sind denkbar, sofern sich Träger der Wohlfahrt oder Pflege am Konzept beteiligen.

Projektbeispiel finden

Die besondere Eignung von Wohn-Pflege-Gemeinschaften als Antwort auf den demografischen Wandel ergibt sich aus ihrer Kleinteiligkeit und dem gelebten Alltag in der WPG. Bis zu zwölf Menschen in privater Häuslichkeit – begleitet von Betreuungs-, Hauswirtschafts- und Pflegediensten – ist eine gute Lösung, um bei Unterstützungs- und Pflegebedarf gut versorgt zu sein. Selbst Ortsgemeinden die weniger als tausend Einwohner zählen, konnten so eine solche Wohnform ins Dorf einbetten.

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Älterwerden bedeutet, man muss sich mehr umeinander kümmern, weil der Hilfe- und Unterstützungsbedarf steigt – bei körperlichen Arbeiten in Haus und Hof, im Haushalt oder bei der Versorgung. Je mehr Eigenleistung die Dorfgemeinschaft mobilisiert, desto länger ist der Verbleib in der eigenen Häuslichkeit gesichert und die Übergänge zu den Leistungen der ambulanten Pflege sind gewährleistet.

Die „Dorfhausmeister“, die „Rentnerbande“, die „Heinzelmännchen“ oder das „Miteinander Füreinander“ schweißen die Dorfgemeinschaft ebenso zusammen wie der Mittagstisch oder die Mitfahrerbank. Engagiertes Ehrenamt begleitet die Dorfprojekt und findet in RLP besondere Beachtung.

Neue Nachbarschaften RLP

Literaturhinweis

Im Alter nicht alleine sein, ist das Hauptmotiv für Engagement im Bereich Wohnen – das betrifft die Wohn-Pflege-Gemeinschaften ebenso wie die Baugemeinschaften und Dorfmitteprojekte.

Je kleiner der persönliche Aktionsraum wird, desto mehr spielt sich das Leben in den eigenen vier Wänden ab. Um nicht von Einsamkeit betroffen zu sein, sind „Neue Wohnformen“ immer auch ein Konzept, welches das Wohnumfeld in die Planung einbezieht und nachbarschaftliche Hilfen im Sinne der Teilhabe am Alltag und dem Dorfgeschehen denkt.

Die Gemeinden, die in eine Förderphase im Projekt WohnPunkt RLP aufgenommen wurden, haben ein Jahr lang Begleitung bei der Projektentwicklung eines Wohnkonzeptes erhalten.

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