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Pflanzliche Heilmittel – tatsächlich ohne Risiken und Nebenwirkungen?

Montag, 15. April 2024

Gegen Halsweh hilft ein Salbeibonbon, Kamillentee lindert Bauchschmerzen. Baldrian beruhigt, und Arnika wirkt bei Prellungen. Viele Pflanzen werden seit jeher als Medizin geschätzt, und das entsprechende Wissen wandert von Generation zu Generation. Gerade bei leichteren Beschwerden sind pflanzliche Arzneimittel – so genannte Phytopharmaka – sehr beliebt. Kein Wunder: Sie gelten als sanft und frei von Nebenwirkungen. Doch genau hier ist Vorsicht geboten.

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Was nicht verschrieben werden muss, kann ja nicht schaden…

So denken viele und greifen bedenkenlos zu pflanzlichen Arzneien. Tatsächlich füllen pflanzenbasierte Mittel die Regale in Drogerien, Reformhäusern und sogar Supermärkten. Doch die Tatsache, dass die Mittel frei verkäuflich sind, heißt nicht, dass sie frei von Neben- oder Wechselwirkungen sind. So beschleunigt beispielsweise Johanniskraut, das gerne gegen depressive Stimmungen eingenommen wird, den Abbau bestimmter anderer Medikamente. Diese verlieren dadurch einen Teil ihrer Wirkung. Johanniskraut verändert auch die Lichtempfindlichkeit der Haut. Bei intensiver Sonneneinstrahlung können sich braune Flecken bilden. Die Wirkstoffe der Süßholzwurzel beruhigen die Magenschleimhaut, können aber auch den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel erhöhen. Noch ernster wird es, wenn etwa Kinder ätherische Öle oder gar giftige Pflanzenextrakte einnehmen.

Fragen ist besser als Bauchweh

Einnahmefehler und nicht bedachte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind meist die Gründe für unerwünschte Nebenwirkungen von pflanzlichen Arzneimitteln. Hautprobleme, Magen-Darm-Beschwerden und Allergien zählen zu den häufigsten Auswirkungen. Deshalb gilt: Bei Vorerkrankungen, regelmäßiger Einnahme von Medikamenten und in der Schwangerschaft sollte man sich fachlich beraten lassen, bevor man zu pflanzlichen Mitteln greift. Pflanzenbasierte Medikamente sind in der Medizin durchaus anerkannt – Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kennt also die passenden Mittel gegen Beschwerden und kann sie empfehlen oder verschreiben. Einige Krankenkassen bezahlen diese Medikamente. Gut beraten ist man auch in Apotheken, denn diese sind für die Qualität und Sicherheit der von ihnen angebotenen Produkte verantwortlich. Dort erhält man eine fundierte Einschätzung, welche Arznei in welcher Form beim vorliegenden Gesundheitsproblem geeignet ist.

Besser auf Nummer sicher gehen!

Auch das ist weithin unbekannt: Pflanzliche Arzneimittel müssen amtlich geprüft und zugelassen sein. Sie tragen deshalb eine Zulassungs- oder Registrierungsnummer auf der Verpackung – anders als zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel, die aus den gleichen Pflanzen hergestellt werden. Zwei Verfahren führen zur Zulassung als pflanzliche Arzneimittel. In beiden Fällen werden die Medikamente genau wie synthetische Präparate auf Unbedenklichkeit, pharmazeutische Qualität und Wirksamkeit geprüft. Die Wirksamkeit muss in groß angelegten Studien nachgewiesen werden – es sei denn, ein Mittel gilt als „traditionelles“ Pflanzenmedikament. Bei diesen genügen weniger strenge Belege für die Wirksamkeit, etwa Berichte über erfolgreiche Anwendungen. Entscheidend ist dann die Zeitspanne, aus der es solche Berichte gibt. In beiden Fällen kann man davon ausgehen, dass die Mittel sowohl sicher als auch wirksam sind.

Vorsicht ist geboten…

…bei exotischen Pflanzenwirkstoffen, etwa aus der Traditionellen Chinesischen oder der Ayurvedischen Medizin. Dazu gibt es kaum wissenschaftlich belegte Informationen oder gar Studien nach hiesigen medizinischen Standards. Besonders günstig angebotenen Wirkstoffen sollte man ebenfalls kritisch gegenüberstehen – zumal, wenn sie von dubiosen Händlern im Internet stammen. Bei der Herstellung pflanzlicher Arzneien ist nämlich oft besondere und deshalb kostspielige Sorgfalt nötig, etwa um Verwechslungen auszuschließen. Man denke nur an die hochgiftigen Maiglöckchen und das Feinschmeckergewächs Bärlauch – das einigen Menschen übrigens Durchfall beschert! Auch mit Pflanzengiften oder Umweltgiften belastete Inhaltsstoffe dürften zur Genesung wenig beitragen.

Und wie war das nochmal mit der Homöopathie?

An homöopathischen Mitteln scheiden sich in aller Regel die Geister. Die pflanzlichen Wirkstoffe werden in der Homöopathie extrem stark verdünnt, so dass eine Wirkung im medizinisch-wissenschaftlichen Sinn nicht mehr nachweisbar ist. Die Ärzteschaft ist gespalten: Teile befürworten homöopathische Mittel, andere lehnen sie als unwirksam ab. Dennoch schwören viele Menschen darauf und nehmen eine Besserung ihrer Beschwerden wahr. Homöopathische Arzneien durchlaufen einen eigenen Zulassungsprozess und müssen gekennzeichnet sein. Da sie auch Nebenwirkungen haben können, sollten sie nur nach einer Beratung in der Apotheke oder einer homöopathisch tätigen Arztpraxis eingenommen werden.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Susanne Schneider, freistil-texte.de; Redaktion: Birgit Kahl-Rüther, Mail: bkahl@lzg-rlp.de

Weiterführende Links

Pflanzliche Arzneimittel und ihre möglichen Risiken

Über die Wirksamkeit von Pflanzenmedizin