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Immer der Nase nach – Was der Geruchssinn leistet

Mittwoch, 16. Oktober 2019 bis Donnerstag, 31. Oktober 2019

Wie das duftet, ein leckerer Apfelkuchen mit Zimt oder ein frisch gegrilltes Steak... Der Mund wird wässrig, Erinnerungen keimen auf, der Appetit erwacht. Das alles bewirkt der Geruchssinn. Und nicht nur das: Der Geruchssinn ist auch dafür verantwortlich, dass das Essen schmeckt. Ein Großteil der Sinneseindrücke während der Nahrungsaufnahme stammt von Geruchssignalen. Zwar registriert die Zunge die Geschmäcker süß, salzig, bitter, sauer sowie umami – womit „fleischige“ oder „herzhafte“ Geschmackserlebnisse gemeint sind – doch sämtliche Aromen werden über die Nase wahrgenommen. Ohne diese schmeckt das Essen fade.

Aber Gerüche erfüllen auch eine wichtige Warnfunktion. Rauch, Feuer, austretende Gase, verdorbene Speisen, der angebrannte Kuchen im Backofen – von vielen Gefahrenquellen erfahren wir schneller über die Nase als über Augen und Ohren.

So funktioniert Riechen

Riechen funktioniert über Duftmoleküle, die wir beim Einatmen aufnehmen. Sie treffen auf ein etwa fünf Quadratzentimeter großes Stückchen Schleimhaut ganz oben in der Nasenhöhle, wo sich rund zehn Millionen spezialisierter Nervenzellen befinden. Das sind die Riechsinneszellen, deren Rezeptoren jeweils empfänglich sind für ganz bestimmte Duftmoleküle. Von den Millionen von Riechrezeptoren in der Nase reagiert jeder einzelne auf einen oder ganz wenige Duftstoffe. Wenn ein Duftmolekül auf einen passenden Rezeptor trifft, wird ein Signal an das Gehirn weitergeleitet. Auf diese Weise können wir tausende von verschiedenen Düften und Duftkombinationen erkennen.

Gefühle rufen Erinnerungen wach

Eine Besonderheit des Geruchsinns besteht darin, dass ein Teil der Riechnervenbahnen direkt im limbischen System landet – also in dem Teil des Gehirns, wo unter anderem Emotionen verarbeitet werden. Düfte erreichen also ohne Umweg über den Verstand direkt die Gefühlsebene und prägen sich dort gleichsam ein.  Aus diesem Grund denken wir beim leckeren Duft des Apfelkuchens an die Mutter oder die Oma, die ihn immer gebacken hat und erleben die Emotion wieder, die mit der Person oder der Situation verbunden war.

Geruch beeinflusst Partnerwahl

Nicht nur Kindheitserinnerungen werden vom Geruch wachgerufen, auch die Partnerwahl ist davon abhängig, dass man sich „gut riechen kann“. Die Duftmoleküle eines Menschen enthalten Informationen über sein Erbgut. Anscheinend reagieren wir unbewusst besonders positiv auf Düfte, die auf einen großen Unterschied im Erbgut schließen lassen.

Vorübergehende Riechstörung

Wenn wir erkältet sind und die Nasenschleimhaut schwillt, ist das Riechvermögen vorübergehend eingeschränkt. Dabei verkleben die Rezeptoren, und die Geruchsmoleküle können nicht bis zu ihnen durchdringen. Diese Riechstörung klingt von selbst wieder ab.

Länger andauernde Riechstörung

Etwa fünf Prozent aller Menschen in Deutschland haben dauerhafte Riechstörungen, unter den 65- bis 80-Jährigen sind es sogar 60 Prozent. Oft leiden die Betroffenen unter ihrem eingeschränkten oder nicht mehr vorhandenen Geruchssinn und beklagen einen starken Verlust an Lebensqualität. Auch kann ihre gesellschaftliche Teilhabe eingeschränkt sein, etwa wenn es keine Freude mehr macht, mit Anderen gemeinsam zu essen oder wenn Mitmenschen wegen des Körpergeruchs, der nicht mehr kontrolliert werden kann, ablehnend reagieren.

Das Riechsystem kann durch Umwelteinflüsse geschädigt werden, zum Beispiel durch Lösungsmittel in Farben, Lacken und Klebstoffen, durch das früher übliche Blei im Benzin, aber auch durch das Schwermetall Cadmium, das im Zigaretten- und Pfeifenrauch enthalten ist.

Eine weitere häufige Ursache für Riechstörungen ist Zinkmangel, wie er bei chronischen Nieren-, Leber- und Darmkrankheiten auftreten kann. Riechschäden können außerdem durch Heuschnupfen ausgelöst werden, denn er führt zu einer Dauerentzündung der Geruchsrezeptoren, was den Geruchssinn monatelang beeinträchtigen kann.

Therapie von Riechstörungen

Riechzellen bilden sich alle paar Wochen neu. Daher heilen Schädigungen oft von alleine, wenn Betroffene beispielsweise mit dem Rauchen aufhören oder nicht mehr mit Lösungsmitteln in Berührung kommen. Im Alter allerdings lässt diese Erneuerungsfähigkeit nach und die Riechstörungen halten länger an.

Bei Zinkmangel ist das Auffüllen der Zinkvorräte – nach ärztlicher Anweisung – die beste und einfachste Therapie. Bei Heuschnupfen können entzündungshemmende Mittel oder ein Desensibilisierungsprogramm gegen die Allergie und damit auch gegen die Riechstörung helfen.

Empfohlen wird auch das so genannte „Dresdner Riechtraining“, das man selbst durchführen kann. Gehen Sie folgendermaßen vor: Riechen Sie zweimal am Tag an vier charakteristischen Düften wie Rose, Gewürznelke, Eukalyptus und Zitrone. Diese können Sie als natürliche Aromaöle in Bioläden, Apotheken oder Drogerien kaufen. Nach etwa zwölf Wochen Riechtraining können sich laut Studien der HNO-Klinik der Universität Dresden erste Erfolge einstellen. Das Riechtraining kann zu einer Vermehrung der Riechsinneszellen führen und deren Wachstum beschleunigen, wodurch der Geruchssinn verbessert wird. Übrigens machen Parfümeure und Sommeliers ähnliche Erfahrungen: Durch Übung lernen sie, die einzelnen Düfte immer sensibler wahrzunehmen.

Dauerhafte Schädigungen des Geruchssinns

Leider gibt es auch dauerhafte Schädigungen des Geruchssinns. Sie können zum Beispiel durch eine Strahlentherapie bei Krebs, durch Verletzungen im Kopfbereich oder durch einen Schlaganfall, wenn er im Bereich des Riechzentrums auftritt, hervorgerufen werden. Medikamente helfen hier nur begrenzt.

Einige Krankheiten stehen in besonderer Weise mit dem Geruchssinn in Zusammenhang. So kann eine schwere Depression den Geruchssinn einschränken – der aber nach einer erfolgreichen Behandlung wieder zurückkehrt.

Bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder der Alzheimer-Krankheit kann eine Riechstörung eines der ersten Frühwarnzeichen sein. Vor allem das Pizzagewürz Oregano können Parkinson-Kranke kaum mehr wahrnehmen. Zwar wird generell mit zunehmendem Alter der Geruchssinn unmerklich immer schwächer. Wenn die Veränderungen aber auffällig früh und stark sind, sollte man diese Anzeichen ernst nehmen und ärztlich abklären lassen. Je früher im Falle einer Parkinson- oder Alzheimer-Diagnose mit einer Therapie begonnen wird, umso besser.

Menschen mit dauerhaft geschädigtem Geruchssinn sollten bei Nahrungsmitteln immer auf das Verfallsdatum achten, Körperhygiene nicht nach Bedarf, sondern nach Plan durchführen und sich im Zweifelsfall eine andere Nase zu Hilfe holen – etwa die der Partnerin, des Partners oder der Kinder.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de


 

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Fragen und Antworten zum Thema Riechen

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