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Erste Hilfe leisten bei Kindern

Donnerstag, 16. Mai 2019 bis Freitag, 31. Mai 2019

Kinder bringen Leben ins Haus. Sie sind aber auch ungestüm und unbedacht, und so kann schnell etwas passieren. Gut, wenn Erwachsene dann wissen, wie sie zu reagieren haben.

Sturzunfälle

Am häufigsten passieren Sturzunfälle. Das Kind fällt beim Rollerfahren oder beim Rennen hin und schürft sich die Knie auf. Es erschrickt – und die Eltern auch. Allerdings sehen die meisten Schürfwunden gefährlicher aus, als sie sind. Meist ist nur die oberste Hautschicht verletzt. Schürfwunden sind schmerzhaft, heilen aber in der Regel schnell und gut ab. Achten Sie darauf, dass sie die Wunde nicht berühren, um keine Krankheitserreger einzubringen. Nur wenn die Wunde verunreinigt ist, z.B. mit Erde, Sand oder anderen Fremdkörpern, sollte sie unter fließendem Wasser ausgewaschen werden. Wenn die Wunde nicht stark blutet, besprühen Sie diese mit einem Wund-Desinfektionsmittel. Es gibt mittlerweile zahlreiche Produkte, die nicht brennen. Bei starker Blutung muss diese zunächst gestoppt werden. Das geht am besten mit einem sauberen, kalt-feuchten Tuch, das Sie auf die Wunde legen. Es fördert die Blutstillung und klebt nicht fest. Decken Sie die Wunde anschließend mit einem Pflaster oder bei großflächigen Verletzungen mit einem sterilen Gazetuch ab und wickeln Sie eine Mullbinde darüber. Wenn sich eine Kruste gebildet hat, können Sie den Verband wieder abnehmen. Überprüfen Sie im Impfpass, ob der Tetanusimpfschutz gegeben ist.

Verschlucken

Ein anderer häufiger Unfall ist das Verschlucken von Gegenständen. Kinder nehmen aus Neugierde gerne etwas in den Mund. Manchmal landet der Fremdkörper in der Luftröhre, und das Kind beginnt zu husten und zu würgen. Lassen Sie es weiterhusten, dies ist die beste Methode, die Luftwege wieder frei zu bekommen. Wenn das Kind aber keine oder nur schlecht Luft bekommt oder plötzlich blass wird, nicht mehr weinen oder husten kann, müssen Sie schnell handeln. Kleine Kinder legen Sie mit Kopf und Bauch nach unten auf den eigenen Unterarm und klopfen kräftig auf den Rücken zwischen die Schulterblätter. Ist das Kind größer, lassen Sie es vornüberbeugen und bringen es durch kräftige Schläge mit der flachen Hand auf die Schulterblätter zum Husten. Wird der Gegenstand ausgehustet, ist die akute Gefahr gebannt. Bleibt der Gegenstand jedoch in den Atemwegen, rufen Sie die Notrufnummer 112 oder fahren Sie zur nächsten Kinderarztpraxis oder ins Krankenhaus.

Verbrühen und verbrennen

Ein anderes häufiges Szenarium: Das Kind stößt an eine Tasse und schüttet sich ein heißes Getränk über. Oder es zieht einen Topf mit heißer Flüssigkeit vom Herd. In solchen Fällen entfernen Sie rasch, aber vorsichtig die heiße Kleidung – gegebenenfalls mit einer Schere. Mit der Wunde verklebte Kleidung lässt sich übrigens in der Regel durch Wasser gut ablösen. Kühlen Sie die betroffenen Hautpartien mit handwarmem Wasser, dass Sie kontinuierlich darüber laufen lassen. Ist die Stelle groß, stellen Sie das Kind dazu nackt in die Badewanne. Bedenken Sie allerdings, wenn Sie großflächig kühlen, dass das Wasser auf keinen Fall eiskalt sein darf, weil es sonst zur Unterkühlung kommen kann. Fahren Sie das Kind zur Ärztin beziehungsweise zum Arzt oder ins Krankenhaus, oder wählen Sie den Notruf 112. Legen Sie vor der Fahrt einen möglichst sterilen Verband an oder wickeln Sie ein sauberes, nicht fusselndes Tuch um. Bei einer kleinflächigen Verbrennung ohne Blasenbildung, etwa wenn das Kind an das Bügeleisen oder auf die Herdplatte gefasst hat, können Sie nach dem Kühlen eine Brandsalbe aus der Hausapotheke auftragen.

In der Sommerzeit ist das Grillen eine große Gefahr für Kleinkinder, vor allem, wenn Brandbeschleuniger wie Spiritus, Benzin oder Alkohol eingesetzt werden. Blitzartig können sich meterhohe Flammen entwickeln. Kinder sind durch ihre Größe besonders gefährdet, sich dabei an Gesicht, Hals und Brust schwer zu verbrennen. Ist solch ein Unfall geschehen, sollten Eltern sofort den Notarzt rufen.

Hundebiss

Ein weiterer trauriger Anlass für Unfälle ist der Hundebiss. Am häufigsten trifft es kleine Kinder bis ins Vorschulalter, die fast immer vom eigenen Familienhund gebissen werden. Die meisten Bisse gehen glimpflich aus, aber tiefere Verletzungen sind nicht immer sofort zu erkennen. Deswegen und um Infektionen zu vermeiden, ist ein Arztbesuch notwendig. Decken Sie als erste Hilfe die Verletzung mit einer sterilen Kompresse oder einem Verband ab. Nehmen Sie den Impfpass des Kindes und auch den des Hundes mit in die Arztpraxis. So kann entschieden werden, ob gegen Tetanus und eventuell auch vorsorglich gegen Tollwut geimpft werden muss.

Vergiftung

Ein letztes Thema: die Vergiftung. Besonders häufig sind Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr davon betroffen. So werden etwa Reinigungsmittel aller Art, Rohr- und WC-Reiniger, Putzmittel und Geschirrspülmittel in den Mund genommen und probiert. Ganz wichtig ist hier die Vorbeugung: Bewahren Sie Reinigungs- und Putzmittel außerhalb der Reichweite von Kindern auf. Wenn Ihr Kind dennoch Zugang zu einem entsprechenden Behältnis bekommen und einen Haushaltsreiniger mit stark ätzenden Substanzen geschluckt hat, versuchen Sie, die Reste des Mittels aus dem Mund des Kindes zu entfernen. Geben Sie ihm Wasser ohne Kohlensäure zu trinken. Achten Sie darauf, dass Sie kein Erbrechen auslösen, da der Giftstoff die Speiseröhre sonst noch einmal passiert. Rufen Sie den Giftnotruf des Landes Rheinland-Pfalz unter der Telefonnummer 06131 19240 an und folgen Sie den Anweisungen. Denken Sie daran, dass Sie den Fachleuten möglichst genaue Auskunft darüber geben sollten, was das Kind geschluckt hat. Halten Sie, wenn möglich, das entsprechende Behältnis bereit.

Immer wichtig: Ruhe bewahren

Es ist unmöglich, hier alle Unfälle, die sich ereignen können, aufzuführen. In jedem Fall aber ist das Wichtigste für Erwachsene, Ruhe zu bewahren! Nur so können Sie schnell das Richtige tun, nämlich das Kind aus der gefährlichen Situation zu bringen, die Gefahrenstelle zu sichern, damit nicht noch mehr passiert, und Erste Hilfe leisten. Wichtig ist auch, dass das verletzte Kind von Ihnen das Signal erhält, dass alles wieder gut wird. Beruhigen Sie es, streicheln Sie es und sprechen Sie ruhig mit ihm, auch wenn Sie vielleicht nicht sicher sein können, ob es Sie hören kann.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de
Redaktion: Monika Seibel
 

 

Weiterführende Links

Bundesarbeitsgemeinschaft: Mehr Sicherheit für Kinder e.V. über Kindersicherheit und Kinderunfälle

Erste Hilfe für Babys und Kinder: Onlinekurs

Kinder- und Jugendärzte im Netz über Erste Hilfe